"In the absence of intimidation, creativity will flourish"
G.Ginn

Sonntag, 12. Juni 2016

Liebe auf der Stehtribüne

Nun ist also gerade überall Fußball, für mich nicht gerade ein inspirierendes Thema. Der Kiezschreiber hat den philosophischen Unterbau zu diesem Thema in einem zurecht viel verlinkten Beitrag skizziert; man sollte den Post allein deshalb lesen, weil niemand sonst die Chuzpe hat, mit der These zu beginnen, dass in Bezug auf Fußball Deutschland in zwei Gruppen zerfalle, nur um im weiteren Verlauf des Essays insgesamt fünf Gruppen zu identifizieren. Der gebannte Leser merkt es erst mal nicht (Einzelheiten in dem kommenden Interview-Band, Francois Ackerbau, "Herr Bonetti, wie haben Sie das gemacht?").

Fußball führt meist nicht zu relevanter Musik, sondern meist nur zu doof-pathetischem Mist, der jeweils nur die Fans der einen Mannschaft anspricht; man könnte für die verschiedenen Lieder der Nationalmannschaft die Reihe "Verbrechen auf Schallplatte" reaktivieren, aber ansonsten bleibt da nur Trio. Daneben gibt es noch Hooligan-Musik, die mich aber genauso wenig interessiert wie Hooligans selber.  Die Cockney Rejects, eine Punk-/Skin-Band der frühen 80er machen da ein bisschen eine Ausnahme, deren Hooligan-Lieder waren musikalisch leider sehr überzeugend, War on the terraces ist sicher ein geeignetes Lied, um irgendwo hin zu gehen und jemand auf die Mütze zu hauen. Das ist hier aber kein Blog, in dem es gutgeheißen wird, irgendjemand auf die Mütze zu hauen , und wenn jemand zuviel Testestoron hat, soll er halt Holz hacken oder mein Kartoffelbeet jäten. Deswegen schwenken wir noch einmal um, zu einer britischen Band, die sich "Serious Drinking" nannte, und eine Art unbeholfene Punk-/Ska produzierte, thematisch immer um das Thema Alkohol drehend. "Hangover" ist mir seit Jahrzehnten in den Ohren, auch wenn ich die Cassette, auf der das Lied drauf war, auch schon in den 80ern verloren habe (jeder sollte mal eine Minute reinhören, was für ein wunderbarer Refrain!). Während die Cockney Rejects vom Krieg auf der Stehtribüne sangen, stimmten Serious Drinking "Love on the terraces" an und beschrieben, wie man bei der Fußballprügelei die große Liebe findet. Sehr charmant, sehr britisch und wenn man's gehört hat, will man niemanden eins auf die Mütze hauen, sondern höchstens ein neues Bier aufmachen. So soll es sein. 


Kommentare:

  1. serious drinking hatten aber auch generell gültige weisheiten in den texten: "the revolution starts at closing time, when everybody s´had enough"
    na denn

    michali

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  2. Jetzt wo du das mit den zwei und den fünf Gruppen schreibst ... Ist mir gar nicht aufgefallen. Vielleicht sollte ich meine Texte einfach mal durchlesen, bevor ich sie online stelle? Oder ich baue nachträglich noch ein "scheinbar" in den ersten Absatz ein? Auf das Buch von Francois Ackerbau bin ich sehr gespannt. Diese Frage beschäftigt mich nämlich auch.

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    1. Auf keinen Fall! Ich finde das gut. Sei es als unmittelbar beobachtbare Differenzierung einer einachen Ausgangsthese, sei es als teuflischer Trick, dem Leser zu zeigen, dass alles nie so einfach ist...

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