"In the absence of intimidation, creativity will flourish"
G.Ginn

Dienstag, 22. November 2016

Jung samma, fesch samma

Wie so häufig, begann das Unheil mit Religion: Auf unserem Kirchenbasar nahmen wir neben ein paar Büchern auch eine Peter Alexander-CD mit. Peter Alexander war in meiner Kindheit absolut überall präsent, seine Fernsehshow sah die ganze Familie, seine Schlager, auch wenn ich sie jetzt Jahrzehnte nicht mehr gehört habe, kann ich nach ein paar Sekunden mitsingen. Alexander hat auch deswegen für mich Bedeutung, da von ihm die einzigen Lieder kamen, die sich irgendwie mit den Erzählungen der Oma aus dem Sudetenland und dem Abglanz der k.u.k.-Zeiten verbinden ließen - Powidldatschkerl und wie diese Lieder noch hießen (ich muss hier endlich auch einmal den Post zur Tante Jolesch schreiben, schon lange aufgeschoben). Wenn man sich die Peter-Alexander-Lieder anhört ("Die kleine Kneipe", "Feierabend", "Manchmal weinst du sicher ein paar Tränen", "Der Papa wird's schon richten" etc.) hat man die Gräßlichkeit der sechziger und siebziger Jahre in Westdeutschland plastisch und schonungslos vor sich. Aber darum soll's heute gar nicht gehen.

Ich hatte noch vage im Kopf, dass Alexander früher auch viele Elvis-Songs gecovert hat, ich wollte dann über Youtube mal sehen, ob er auch noch ein paar Absonderlichkeiten, die man für die Reihe "Verbrechen auf Schallplatt" verwenden könnte, aufgenommen hat. Vielleicht sogar ein so schöner Fang wie dieser von Karel Gott? Was ich fand, passt dann aber nicht in diese Kategorie, weil es nie auf Schallplatte aufgenommen wurde und weil ich mir bei der Bewertung nicht sicher bin.

Johnny Cash 1992 bei Peter Alexander. Erst singt er "Ring of fire", dann singt Alexander mit ihm einen Country-Song und dann singen beide ein paar Wiener Lieder. "Jetzt trink ma noch a Flascherl Wein", "Jung samma, fesch samma". Ich bin sprachlos.

Zeigt das jetzt nur, wie herunter gewirtschaftet Cash war, bevor er sich zwei Jahre später von Rick Rubin neu erfinden ließ? Oder zeigt das, dass Alexander eigentlich cooler und besser war, als man ihm jetzt zugestehen will? Egal, wie eure Antwort ausfällt: Das Wiener Duett der beiden ist nur schwer erträglich.


Kommentare:

  1. Die Tante Jolesch von Friedrich Torberg? Wunderbar, kann ich nicht vergessen, leider auch das Liedgut meiner Eltern nicht, Dauerberieselung und Sangesfreude meines Vaters hat zwar nicht meinen Musikgeschmack, aber die frühen Erinnerungen geprägt.

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    1. Die Tante Jolesch ist für mich die Erinnerung an eine versunkene Zeit...

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  2. das schönste ding von peter alexander, und das ist völlig ironiefrei gemeint: "die süßesten früchte fressen nur die großen tiere.. weil die tiere groß sind, und weil die früchte hoch sind.."

    ein geniestreich aus den goldenen 60ern.

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    1. Ich habe ja auch ein ambivalentes Verhältnis zu PA, mein Lieblingslied ist ja "Ich zähle täglich meine Sorgen". "Die süßesten Früchte" habe ich auch geliebt, aber ist das nicht auch eine Kleinbürger-Botschaft? Schwierig.

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