"In the absence of intimidation, creativity will flourish"
G.Ginn

Freitag, 12. Juli 2019

Verbrechen auf Schallplatte (6)

Dem vorzüglichen Buch von Frank Apunkt Schneider "Als die Welt noch unterging" entnehme ich, dass Benny in den späten 70er Jahren nicht nur "Ca plane pour moi" von Plastic Bertrand gecovert hat, sondern auch "If the kids are united" von Sham 69.* Dieses Crossover von deutschem Schlager und englischem Punk ist so unerwartet wie unerträglich. Es zeigt sich wieder einmal, dass beim frühen Punk die Musik eigentlich gar nicht so unverträglich war, sondern eher die Botschaft. Benny schaffte es, den systemkritischen Sozialkitsch von Sham 69 in systemkonformen Sozialkitsch umzuwandeln. Erfolgreich war es trotzdem nicht. Nachdem ich es mir jetzt zweimal angehört habe, möchte ich mir die Ohren ausspülen bzw. abschneiden.



*Ich habe das Original das erste Mal bei Bayern 3, Pop nach Acht mit Thomas Gottschalk gehört.

Sonntag, 7. Juli 2019

Punkrock Sommer

Eines der schönsten Sommerlieder, das ich kenne, war auf einem Tape der Berliner Band TBC. Es hatte als Zeile "Ich will ein Bad in St. Tropez, will nur  Hitze und keinen Schnee". Der Refrain forderte "Hitze bis ins Grab". Vielleicht sind ja TBC an der Klimakatastrophe schuld?
Das Tape ist mir auch deswegen ans Herz gewachsen, weil dort ein Lied über Superman drauf war, mit der bemerkenswerten Zeile "Superman ist der größte Arsch der Welt". Lang habe ich's nicht mehr gehört, die Cassette liegt irgendwo in Bayern herum, im Kopf hatte ich die Melodie immer wieder mal. Ein Hoch auf Youtube, wo man das Lied tatsächlich finden kann, allerdings in einer späteren Version, die auf einer EP zu finden war (die ich bislang noch nicht kannte).



Der absolute Punkrock-Sommer-Klassiker kommt natürlich von den verehrten Undertones. Ein Unmensch, wer sich das anhören kann, ohne gute Laune zu bekommen:




Samstag, 6. Juli 2019

Klassischer Sommer

Das klassische Sommerlied ist natürlich Summertime von Gershwin und gegen dieses Lied kann ja niemand etwas haben. Die klassische Aufnahme dazu ist die der großen Ella Fitzgerald. Coverversionen gibt es tausende, man könnte sich wohl eine Woche durchhören. Ich mag (wenig überraschend) auch die Coltrane-Version sehr gerne.

Wir haben das Stück auch mal gespielt, obwohl die Fische im Allgäu nicht hoch springen und unsere Väter auch nicht reich waren. Diese Version schmeiße ich auch mal hier rein, ich mag sie sehr gerne.

(Das Video zeigt den Weg durch Elyseos Olivenhain in Korfu.)

Dienstag, 2. Juli 2019

Grausamer Sommer

Grausam ist es vor allem, das viele der bekannteren Lieder, die thematisch den Sommer behandeln, einfach furchtbar sind. Ich rede hiervon, hiervon und (ja, OLe) hiervon. (Ich will keine Widerrede hören, genauso wenig wie diese drei Lieder.)

Entsprechend meinem vollkommen erratischen Musikgeschmack finde ich allerdings folgendes Sommerlied nicht schlecht. Bananarama rennen darin in Overalls im Kreis und murksen in einer Tankstelle/Autoreparaturwerkstätte herum. Leider ist es nicht das Video, das meinem Mitschüler M. vor über 35 Jahren mal zu neuen modischen Freiheiten verholfen hat. Er hatte nämlich meist seine Hosen zerrissen, seine Mutter fand das nicht gut. Dann sah seine Mutter bei Formel 1 ein Bananarama-Video, wo die Mädels auch alle zerrissene Hosen anhatten. Daraus schloss sie, dass das jetzt wohl modern sei und hörte auf zu meckern.




Sonntag, 30. Juni 2019

Hitze und Sex

Offenbar soll es so sein, dass ich die Blogpause mit einer Sammlung von Sommerliedern beende. Also begeben wir uns vom Heißen Sommer etwa 15 Jahre weiter, in die frühen 80er.
Ideal hatten 1982 ein Lied, das nicht so einschlug wie andere ihrer Hits und das ich damals auch nur ein, zwei Mal gehört habe, dessen Refrain mir aber seitdem immer im Kopf rumgeisterte. Damit es euch in Zukunft auch so geht, hier das etwas merkwürdige Lied "Sex in der Wüste". Wenn man es sich noch einmal anhört, wundert man sich auch nicht mehr ganz so, dass es kein Hit wurde.



Immerhin ist dieses schlappe, dröge Gemucke ganz passend zum derzeitigen Temperaturstand.

Etwa die gleiche Zeit, weniger neu deutschgewellt als punk, Hans-A-Plast. Hans-A-Plast sind ja eine Lieblingsband, immer einen Tacken zuviel, immer einen Tacken zu laut, immer einen Tacken zu was-machen-die-jetzt-schon-wieder? Definitiv keine LPs, die man anhörte, wenn die Eltern dabei waren, weil die Musik darauf angelegt war, vehementen Widerspruch auszulösen. Damit aber auch eine Band, deren Lieder man gut in Erinnerung behält. Den nächsten Titel hat mir M. mal auf ein Mixtape aufgenommen, auch er wird einige ratlos zurücklassen. Die erste Zeile, glaube ich, spiegelt dumme Zeitungsüberschriften wieder, danach gerät das Lied aber in den Furor der Sängerin Annette und man tut sich schwer, irgendeine Haltung des Liedes zu entziffern, außer dass man sich nach dem Anhören sicher sein kann, dass alle, die es verdienen (und man selbst auch), etwas abbekommen haben. Also, hört es an, damit es euch nie mehr aus dem Hirn verschwinde: Diesen Sommer gibt es weit mehr Sex, Sex, Sex.

Samstag, 29. Juni 2019

Heißer Sommer

Wer im Allgäu aufwuchs, kannte normalerweise Frank Schöbel nicht. Ich hatte nach der Wende ab und zu etwas gesehen oder gehört und unter "das Ost-Pendant zu Peter Kraus" abgelegt. Ausgerechnet in Schottland sah ich dann einmal im Kino eine Dokumentation über Gerd Natschinski, der in der DDR viel komponiert hat (darunter eine Operette, die ich dann auch einmal in der Neuköllner Oper gesehen habe), unter anderem auch für einen Film der späten 60er, in dem Frank Schöbel mitspielte. Die Anfangssequenz des Films, die ich vor über zwanzig Jahren mal in Edinburgh gesehen habe, blieb mir im Kopf, fiel mir immer wieder mal ein, wenn in der Stadt der Asphalt flirrte.

Was soll man sagen, jetzt gibt's Youtube und man muss sich nicht auf seine Erinnerung verlassen, sondern kann sich die Sachen noch einmal ansehen. Und ich beginne zu ahnen, dass es weniger Frank Schöbel, sondern die bezaubernde Chris Doerk war, die das Lied in meinem Kopf verankert hat.

Aber wann, wenn nicht jetzt: Heißer Sommer.


Dienstag, 4. Juni 2019

Ich werde dich nie vergessen

Dass Hüsker Dü für mich immer eine wichtige Band waren, sollte die Leserinnen dieses Blogs nicht überraschen. Die frühe Doppel-LP Zen Arcade steckt das Terrain der Band schon wunderbar ab. Eines der ersten Punk-Konzept-Alben, bedient auch musikalisch alles vom College-Rock bis zur Hardcore-Attacke. Ich habe dieses Album auf Cassette vor dreißig Jahren immer im Auto dabei gehabt, erinnere mich noch gut, dass es manchmal für Anhalter etwas zu viel wurde.

Ein Lied, das wegen seiner Wucht besonders schwer zu ertragen ist, ist "I will never forget you". Es wird die Geschichte einer Beziehung gebrüllt, die Verletzungen, der Vertrauensverlust, gefolgt von "Ich werde dich nie vergessen, ich werde dir nie vergeben". Alles andere als angenehm oder schön. Glücklich ist, wer das nicht nachvollziehen kann.