"In the absence of intimidation, creativity will flourish"
G.Ginn

Samstag, 22. April 2017

Vögel

Über die merkwürdigen Münchner Punkbands der frühen 80er habe ich ja schon geschrieben. A+P hatten früh eine LP, auf der neben dem üblichen Punkkram auch noch ein paar sehr seltsame Lieder waren. Dazu gehört sicherlich auch das folgende, Vögel. Ich hatte vom Text immer nur noch eine Zeile in Erinnerung, der ist aber insgesamt sehr schräg. Zumindest der Refrain "Grizmek hat nen Knall" ist nur für Kinder der 80er verständlich.

Dienstag, 18. April 2017

Playing tricks

Ein weiterer Beitrag zur Archivpflege. 1989 hatte ich begonnen mit einem Vierspurgerät in meinem Zimmer aufzunehmen; bald zogen wir zu Pobsl in den Keller um, wo wir merkwürdigen Folk fabrizierten. Später spielten wir ein paar dieser Lieder dann auch mit Band, "Playing tricks" war eher nicht dabei, weil sich dieses nervöse Gitarrengehämmer schlecht mit Band umsetzen ließ. Ich mag das Lied aber immer noch, vor allem wegen der schönen Blues harp, die Pobsl spielte.

(Keine Ahnung, warum ich mich im Text damals so aufregte.)

Die Erinnerung dunkelgrau

So hieß das Bäckar-Tape, das wir 1989 herausbrachten. Waren ein paar schöne Lieder dabei, z.B. der Konzert-Evergreen "Ratten" (Punkrock ist, wenn man das Intro auch nach 10 Jahren noch nicht fehlerfrei spielen kann). Für das Video habe ich ein bisschen in den Archiven nach Bildchen gekramt.

Und das Stück "I'm alone", mehr Hüsker Dü wurde es bei uns nicht mehr. Unser damaliges Konzept war es, Lagerfeuerlieder mit verzerrten Gitarren zu spielen.

Sonntag, 16. April 2017

Vor dreiunddreißig Jahren

Auch wenn ich hier drei Tage verspätet bin, habe ich's natürlich nicht vergessen: am 14.4.1984 wurde die Band "Die Bäckar" gegründet. Anderswo habe ich schon einmal über diesen Tag geschrieben.

Zur Feier des Tages ein Stück aus dem 1989er Tape "Die Erinnerung dunkelgrau". "Winter" habe ich immer gern gemocht, der Refrain bleibt einem schon im Gedächtnis. Es gibt auch Gründe, warum ich das Lied lieber erst im Frühling hier einstelle.
Nur von musikhistorischem Interesse für Erforscher des Allgäuer low-budget Punks der späten 80er oder tatsächlich noch etwas, das man sich anhören kann? Diese Beurteilung kann ich euch nicht abnehmen. Ich werde hier auf jeden Fall in der nächsten Zeit noch ein bisschen mehr von den noch vorhandenen Aufnahmen einstellen,

Dienstag, 4. April 2017

Donnerwetter, verdammte Scheiße, ein Whisky

Nachdem hier vor ein paar Tagen suchtmittelverherrlichende Musik aus dem Griechenland der Dreißiger Jahre das Thema war, heute einmal etwas zu suchtmittelverherrlichenden Musik der Bundesrepublik der frühen Siebziger.

Heino hatte damit einen großen Hit. Bevor ich auf das Lied eingehe (und die merkwürdige Überschrift des Beitrags erläutert), muss ich ein paar peinliche Enthüllungen zu Heino machen: Als Kind durfte ich Samstags immer Hitparade sehen und Anfang der Siebziger waren die Interpreten der Sendung immer in großen Bildern in der Kulisse angekündigt. Ich weiß, dass ich mich immer gefreut habe, wenn da auch Heino zu sehen war. Wahrscheinlich ist Heino mit "Die schwarze Barbara" das früheste Fernseherlebnis, an das ich mich erinnern kann (noch in schwarz-weiß). Es macht es wahrscheinlich nicht besser, dass Heino in der amerikanischen Alternative-Szene der Achtziger ein paar Fans hatte, ich erinnere mich an ein Interview mit Jello Biafra zu dem Thema und Beck war, glaube ich, auch Heino-Fan.

"Karamba, Karacho, ein Whisky" ist ein Lied, bei dem ich sofort das Bild eines der damals beliebten vom Heimwerker ausgestatteten Partykeller vor Augen habe. Der Text spricht die Sehnsucht nach Exotik an, exotische Spirituosen waren damals sowieso ein großes Schlagerthema. Nach meiner Erinnerung trank man damals aber eher Sachen, bei denen nicht der Rausch, sondern das Erblinden die größte Gefahr war, ausländischer Schnaps war eher ein absolutes Luxusgut (wenn's Whisky gab, war's dann wohl eher Racke Rauchzart, heimischer Sprit/Whisky-Verschnitt). Der Titel des Lieds zeigt auch ein bisschen das Problem der bundesdeutschen Lust an Exotik: Caramba soll eigentlich eine euphemistische Umschreibung für Carajo sein, Carajo aber bedeutet wörtlich soviel wie Penis. Die Übersetzung von "Karamba, Karacho ein Whisky" im Post-Titel ist also nicht an den Haaren herbeigezogen, es könnte sogar wörtlich "Pullermann, Penis, ein Whisky" heißen. Damit könnte man ja eigentlich ganz gut leben. (Da ich überhaupt keine Ahnung von Spanisch habe, musste ich lange überlegen, wo ich denn die Analyse dieses Heino-Titels zum ersten Mal gelesen habe. Dank Interwebs kam ich drauf: Herr Hennig hat dazu in der Berliner Zeitung mal geschrieben.)

Dann also mal mit Karacho zu neuen Taten! (Das Lied konnte ich mir allerdings nicht mehr bis zum Ende anhören. Als Vierjähriger war ich noch belastbarer.)


Samstag, 1. April 2017

Ouzo, Morphium und Haschisch



"Ouzo, Morphium und Haschisch - ich trinke, um zu vergessen" singt Roza Eskenazi in diesem Lied. Das sollte bei dieser Mischung gelingen. Das Lied ist tatsächlich 1935 bei Odeon regulär veröffentlicht worden. Für die Musik gab es offensichtlich ein Publikum.

Ansonsten ist hier im Blog ja eher von den alten Männern des griechischen Rembetiko die Rede, der große Markos ist für mich ein beständiger Tröster wie es ansonsten nur John, Jeffrey Lee oder Glenn sind. In den dreißiger Jahren gab es in Griechenland aber auch genügend Frauen, die bemerkenswerte Musik gemacht haben (die wunderbare Sotiria Bellou, von der hier schon die Rede war, und Stella Haskil, deren Mondlose Nacht ein Klassiker ist, waren eher in der Nachkriegszeit aktiv). Anfang der Zwanziger Jahre endete der törichte Versuch der Griechen, Konstantinopel zurückzuerobern mit einer verheerenden griechischen Niederlage, in deren Folge eine Million griechisch-orthodoxer Menschen aus der Türkei flüchten mussten. Die Flüchtlinge siedelten sich vor allem in den Großstädten an. Die orientalisch geprägte Musik der Flüchtlinge (nach dem griechischen Namen der Stadt Izmir, aus der viele kamen, oft Smyrna-Stil genannt) mischte sich bald mit der Musik der Rembetes-Subkultur. Anders als bei den Rembetes spielten hier oft professionelle und geübte Musiker, allerdings fand sich hier der gleiche Realismus und Pessimismus, der auch die frühere Rembetika-Musik so atemberaubend machen. Die dreißiger Jahre waren die Zeit der Sängerinnen, allen voran Rita Abatzi (von der man hier schon das schöne Lied "Schlag alles zusammen für mich" hören kann. Der Text endet, schon fast existenzialistisch mit den Zeilen "ich kann schon im nächsten Moment tot sein"). Während bei den Rembetes der vertrackte 9/8-Takt des Zembekiko, der den einsamen Tanz eines Mannes begleitete, vorherrschte, gab es beim Smyrna-Stil häufiger einen Verweis auf den Tsifteteli, eine Art griechischen Bauchtanz. Wie das Eingangslied beweist, gab es auch ansonsten wenig Tabus in der Musik, das schien aber dem großstädtischen Bürgertum in Griechenland in den Dreißigern gut zu gefallen, die Cafés, in denen Roza Eskenazi oder Rita Abatzi sangen, waren gut besucht.

Roza Eskenazi ist in vielerlei Hinsicht eine faszinierende Frau, auf Youtube findet man Videos, wie sie noch mit 80 Jahren zu ihrer Musik tanzt. Wie ihr Name schon andeutet, war sie Jüdin; die Rembetika-Musik Smyrna-Style hat auch einiges mit der Klezmer-Musik gemeinsam. Es gibt einen interessanten Dokumentarfilm über sie, "Mein süßer Kanarienvogel" (in dem die Musik auch von zwei Musikerinnen aus Griechenland und der Türkei sowie einem Musiker aus Israel nachgespielt wird, was den eigentlich übernationalen Charakter dieser Musik schön unterstreicht). An Dramatik stand ihr Leben kaum dem der berühmten Bluessängerinnen nach.

Donnerstag, 30. März 2017

Mutter Erde

Heute vor 21 Jahren ist Jeffrey Lee Pierce im Alter von 36 Jahren gestorben. Seine Band Gun Club hat mir viele musikalische Welten erschlossen, die ich ansonsten nicht entdeckt hätte. In der Zeit, in der ich in unserem Jugendzentrum aufgelegt habe, gab es keinen Tag, an dem nicht auch "Mother of Earth" gelaufen wäre. In einer Punk-Kneipe country-angehauchte Musik laufen zu lassen, war eigentlich mutig. Von ein paar Gästen weiß ich, dass sie nach ein paar Durchgängen dann auch die Platte gekauft haben.

Mother of Earth ist ein gutes Lied für Todestage, zeitlos schön.

(Gerade sehe ich, dass ich das vor zwei Jahren schon einmal, noch ein bisschen ausführlicher geschrieben habe. Macht nichts. Und genauso wie ich das Lied im JZ dauernd laufen habe lassen, kommt es halt hier immer wieder. Bis alle die Miami-LP gekauft haben.)