"In the absence of intimidation, creativity will flourish"
G.Ginn

Freitag, 1. Mai 2020

Aus fernen Zeiten

Ich habe hier noch etwas aus dem Januar nachzutragen. Am 11.1. gab es im 8mm im Prenzlauer Berg ein Club-Konzert von Art Brut.

Eddie Argos ist zwar inzwischen nach Prenzlauer Berg weitergezogen und somit kein Nachbar mehr, trotzdem war der Besuch natürlich für mich Pflicht. Das 8mm ist relativ überschaubar, deswegen war ich auch früh genug da und durfte vor dem Laden anstehen. Das Publikum war international, die meisten hatten Art Brut wohl in ihren Hochzeiten 2005 schon gesehen und gehört und kamen, um noch einmal an ihre Jugend erinnert zu werden. Ich war also einer der deutlich Älteren im Publikum, für mich sind Art  Brut auch weniger nostalgisch (immerhin haben sie aber den Soundtrack für meine letzte Kündigung geliefert), sondern sie waren 2009 eine Band, die mich wieder dazu gebracht hat, mich für kontemporäre Musik zu interessieren. 

Wie ich ein bisschen zu spät gemerkt habe, hätte ich tatsächlich auf der Guest list gestanden . Das ist mir, glaube ich, erst einmal passiert. Im 8mm winkt mir ein Mensch mit Vollbart zu, ich ignoriere ihn höflich, weil ich davon ausgehe, dass er jemand neben mir meint (ich kenne in dem Laden, abgesehen von Eddie Argos, wirklich niemand).  

Art Brut kommen auf die Bühne und beginnen mit einem AC/DC-Riff. Merkwürdig. Diesmal ist Freddy, die Bassistin, wieder dabei, die wegen ihres Kindes ausgesetzt hatte. Das tut dem Sound gut. Die Band spielt viel von den frühen LPs, ich hätte auch gerne mehr von der neuen Platte gehört. Alle Knaller sind dabei, Modern Art, My little brother, Emily Kane und - was mich besonders freut - Bad Weekend, das ich in der letzten Zeit auch häufig gehört habe. Der Refrain, Popular Culture no longer applies to me, schwirrt mir ohnehin die ganze Zeit durch den Kopf. Die Bühne ist relativ niedrig, als Hintergrund werden merkwürdige Filme projeziert, ich erkenne Teile des Chien andalou. Weil es kein richtiges Backstage gibt, schlägt die Band vor, dass sie sich einfach auf die Bühne setzt, während alle Zugabe brüllen. Das geht auch und alle sind nach dem Konzert zufrieden. 


Ich unterhalte mich kurz mit Eddie Argos, da kommt wieder der Vollbart vorbei: Tatsächlich kenne ich ihn von der Arbeit, lang ist es her. 

Ich gehe nach Hause, ohne zu wissen, dass das mein letztes Konzert für lange Zeit sein wird.

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