"In the absence of intimidation, creativity will flourish"
G.Ginn

Dienstag, 11. März 2014

Dave & Howard oder die frühen Schweinepriester

Ich habe eine Schwäche für die Musik aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts, als sich offenbar in den USA und in Griechenland jeder hinstellen konnte, um eine Platte aufzunehmen. Unglaubliche Dinge, die man dort entdecken kann. In Bezug auf amerikanische Musik finde ich es immer bemerkenswert, wie der schwarze Jazz in Bezug auf Rhythmik und Melodik der weißen Folkmusik meilenweit überlegen ist. Man nehme die Eleganz eines Jelly Roll Morton und vergleiche sie mit dem Gerumpel der Hillbillies in den zwanziger Jahren. Trotzdem, ich bin ja auch ein erklärter Freund des Rumpelns.

Man (oder ich) kann zwar Zusammenstellungen von Country- und Bluegrass-Musik aus den Zwanzigern und Dreißigern kaum am Stück hören, aber mittendrin findet sich immer ein Lied, das bei aller musikalischen Limitation von klassischer Schlichtheit ist. Dabei denke ich vor allem auch an die Folk-Kirchenlieder, die oft eine merkwürdige naive Erhabenheit ausstrahlen. Bei der Vorbereitung dieses Posts musste ich jedoch feststellen, dass dieses Blog seinen Namen zu Recht trägt. Neben den getragenen Liedern eines Alfred Karnes, wollte ich über ein Lied zweier Hillbillies Dave & Howard schreiben, die in sehr verpeilter, aber rührender Form im Wechselgesang von der Auferstehung singen: My bones gonna rise again. (das war vor allem auch als Kontrapunkt zu der Jelly Roll-Geschichte gedacht).

Als ich nachsehen wollte, ob man zu diesem Stück von 1931 irgendwelche weiteren Informationen findet, musste ich feststellen, dass das Lied zwar tatsächlich einem Kirchenlied "Dese bones gonna rise again" nachempfunden war, Dave & Howard aber tatsächlich über ganz andere Knochen, die sich wieder erheben, singen (bei nochmaligem Anhören muss ich mich fragen, warum mir das nicht selbst aufgefallen ist, die Anspielungen sind etwa so subtil wie in heutigen Ballermann-Hits). Mir fehlt die Kenntnis und Vorstellung der amerikanischen Gesellschaft der damaligen Zeit, um sagen zu können, bei welchen Gelegenheiten und von wem solche Platten gehört wurden. Ich weiß nicht, ob man sich heute in den USA mit obszönen Kirchenliedparodien viele Freunde machen würde.... Ganz egal, das Lied ist auch so noch ein nettes, dann eben nicht als Beispiel der Naivität, sondern im Gegenteil, der Schlitzohrigkeit.

Nun bin ich aber am Grübeln, ob mein Favorit von 1928, Dr. Humphrey Bates "Ham beats all meat" (ein faszinierend stupides Lied! Unbedingt anhören!) auch irgendwelchen Schweinkram enthält....
Aber wenn schon die Marmeladensemmel eine obszöne Anspielung war, dann sicher auch der Schinken.

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