"In the absence of intimidation, creativity will flourish"
G.Ginn

Mittwoch, 26. März 2014

Fleisch, Schinken, Kekse: alles nicht so einfach

In dem Post über die zweifelhaften Dave & Howard habe ich ja auch Dr. Humphrey Bate vorgestellt und darüber sinniert, ob sein "Ham beats all meat" nicht auch eine Zweideutigkeit sein könnte.
Tja, alles noch viel komplizierter. Zwar kann man sich ja gar nicht vorstellen, dass jemand, der in einer Band namens "Possum Hunters"* mitspielte und dessen weitere Hits "How many cookies can you eat" und "Throw the cow over the fence" waren, Texte singt, die einen vor interpretatorische Probleme stellen. Aber genau wie bei Dave & Howard muss man wohl etwas genauer hinsehen.

Als ich noch einmal etwas über Dr. Bate nachgelesen habe, stieß ich zunächst darauf, dass "Ham beats all meat" ursprünglich gar kein weißes Hillbilly-Stück war, sondern ein Lied der Schwarzen, das schon älter als 1928 war. Der ursprüngliche Text war eine Gegenüberstellung des Lebens der feinen (weißen) Leute und der armen (schwarzen) Bevölkerung. Der Refrain stellte dann dar, dass die Weißen dann "alte Kühe" essen und sich dabei fein vorkommen, während das richtige Essen doch der
gute Schinken sei... So weit, so gut, offenbar fand das Lied dann auch Einzug in die sog. Minstrel-Shows, in denen schwarz bemalte weiße Schauspieler Schwarze darstellten. Wikipedia schreibt dazu: "Minstrel-Shows zeigten in idealisierter Form den Weißen, die oft keine Schwarzen aus ihrem Alltag kannten, zahlreiche Stereotype von Schwarzen. Sie werden als ständig fröhliche, singende und naive Sklaven dargestellt, die ihre Besitzer trotz harter Arbeit lieben. Dabei wird eine romantisierende Vorstellung vom Alltag der Sklaven auf den Plantagen inszeniert." Und schließlich landet dann das Lied bei den Oppossum-Jägern und Dr. Humphrey Bate, die allerdings den Text wohl etwas abgeändert haben. Genau wie bei Dave & Howard habe ich keine Vorstellung, wer und mit welcher Intention sich das angehört hat.

Das ganze scheint mir wie ein Vexierbild. Also bleiben wir vielleicht doch lieber bei  Stücken, die keine zweite, dritte und vierte Ebene haben. Schmeißen wir die Kuh über den Zaun!




*Ich habe mal bei den Henhunters mitgespielt; der Name hatte allerdings schon eine gewisse sexuelle Konnotation.

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