"In the absence of intimidation, creativity will flourish"
G.Ginn

Samstag, 19. Juli 2014

Zwei Berliner, zwei Mal Trost

(Merkwürdige Überschrift, die sich hoffentlich bald erklärt).

Eine interessante Sache in Berlin ist, dass hier schon viele bekannte Leute gewohnt haben. An vielen Straßen und Plätzen findet man Erinnerungen an frühere Zeiten. In der Wollankstraße gab es die erste Farbfernsehsendung, in der Wilhelm-Kuhr-Straße lebte der Erfinder der Thermoskanne, Robert Musil lebte für einige Zeit am Kurfürstendamm, Iggy Pop schrieb seinen Passenger bei der Fahrt mit der S-Bahn zum Wannsee.

In diesem Beitrag soll an zwei zeitweilige Berliner erinnert werden, deren Lieder mir auch viel bedeuten. Paul Gerhardt wurde vor über 400 Jahren in Sachsen geboren, war dann 1657-1667 an der Nikolaikirche als Pastor tätig. Er hat viele Kirchenlieder geschrieben, die auch jetzt noch (und auch bei den Katholiken) gerne gesungen werden. Dazu gehört auch "Nun danket all und bringet Ehr", dessen fünfte Strophe ich sehr mag: "Er gebe uns ein fröhlich Herz, erfrische Geist und Sinn, und werf all Angst, Furcht, Sorg und Schmerz in Meerestiefen hin". Ein fröhliches Herz können wir sicher alle gebrauchen, ich singe das gerne vor mich hin. Und auch wenn die Strophe einen Auftrag an Gott beinhaltet, denke ich, dass man sich da auch selbst schon mal ans Werk machen kann....

Drei Jahrhunderte später wurde Dietrich Bonhoeffer geboren, der dann 1912 nach Berlin kam. An der Zionskirche in Mitte, in der er 1932 predigte, erinnert ein Schild an ihn. Bonhoeffer gehörte zu den Verschwörern des 20. Juli 1944, er wurde verhaftet und war zunächst im Berliner Gestapo-Gefängnis. Im April 1945 wurde er im KZ Flossenbürg erschossen. Im Dezember 1944 schrieb er in einem Brief aus der Haft ein Gedicht, das jetzt auch noch als Kirchenlied gesungen wird. Der Refrain lautet: "Von guten Mächten wunderbar geborgen erwarten wir getrost was kommen mag. Gott ist mit uns am Abend und am Morgen und ganz gewiss an jedem neuen Tag." Man muss sich unwillkürlich fragen, wie der Mann in dieser Situation so viel Zuversicht haben konnte. Aber wenn er im Gestapo-Gefängnis diese Gelassenheit haben konnte, sollte es doch eigentlich auch uns gelingen.

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