"In the absence of intimidation, creativity will flourish"
G.Ginn

Freitag, 16. Juni 2017

Wüstenfluss

In den frühen 80er Jahren wurden in den USA die Grundlagen dafür geschaffen, dass aus der Punkbewegung eine umfassende alternative Musikkultur über die verschiedensten Genres hinaus entstand. Wegweisend war das Black-Flag-Plattenlabel SST, das kurz vor dem Zusammenbruch eine wundersame Mischung aus Punk, Hardcore, Jazz und Folk verbreitete. Das Label-Motto war "Corporate Rock sucks", was man vielleicht mit "Großkonzern Rock ist Scheiße" übersetzen könnte. Bands wie Hüsker Dü und Minutemen legten den Grundstein für das, was in den 90er Jahren sich als Alternative Rock etablieren konnte.

Ein weiteres Genre wurde damals von den Industriefesseln befreit, nämlich der Hard Rock. Wer hier ab und zu mitgelesen hat, weiß, dass ich kein Freund von Hard Rock und Heavy Metal bin, deswegen hat mich das damals auch nicht sonderlich begeistert. Die Bands, die Mitte der 80er Hard Rock aber neu entdeckt haben (hier sind vor allem auch viele Bands aus Washington DC zu nennen), waren aber wahrscheinlich der Auslöser für Grunge, New Metal und was es sonst noch für Furchtbarkeiten gab.

Eine wenig bekannte, aber durchaus einflußreiche Band war SWA, getragen vor allem vom Sänger Merrill Ward und dem Bassisten Chuck Dukowski (der früher bei Black Flag gespielt hatte). Ward war eher ein Hard Rock-Shouter, die Lieder der Band waren deutlich kontrollierter als die üblichen Hardcore-Stücke. Im Nachhinein ist es schwer zu erkennen, wie revolutionär die Band war, weil man inzwischen eben Tausende von Epigonen gehört hat. Mitte der 80er konnte man so etwas keinem Metal-Fan vorspielen, das war nicht so, wie Metal oder Hard Rock zu sein hatte.

Die SWA-Platten bekommt man inzwischen, wenn überhaupt, nur noch auf Ebay. Die erste LP hatte den schönen Titel "SWA is your future if you have one". Die letzte Platte XCIII (es gab später noch einmal eine, ohne Ward, die aber kaum hörbar ist) wurde mit Gitarristin Sylvia Juncosa aufgenommen und enthielt das wohl bekannteste Lied, Arroyo. Zu diesem Lied nahm die Band (mit Ward als Regisseur) ein relativ aufwendiges Video auf. Das Stück handelt vom Arroyo, dem Wüstenbach, der wohl die Frauen symbolisieren soll, über den Text mag ich hier lieber nichts schreiben. Das ganze Video hat eine merkwürdige 80er-Jahre-Porno-Ästhetik, man kann Merrill Ward zusehen, wie er so langsam halb verdurstend durch die Wüste geht, Sylvia Juncosa taucht als mystische Indianerin, Chuck Dukowski als Cowboy mit schlechten Zähnen auf. In einer Deliriumsszene denkt Ward, er knutsche leicht bekleidete Frauen ab, in Wirklichkeit umarmt er aber einen Kaktus.

Das Lied ist allerdings nicht ohne Reiz, wenn man sich einmal dafür entscheidet, wie ernst man das Video nehmen will. Der Refrain bleibt einem nachhaltig im Kopf hängen. Und bei der Recherche habe ich festgestellt, dass Merrill Ward inzwischen Videos von der Violinstunde seines Sohnes auf Youtube einstellt.

Freitag, 9. Juni 2017

Meine Lieblings-LP

Der Wahlpankower Eddie Argos schreibt ja nicht nur Bücher und Comics und macht Musik, sondern malt auch Bilder, die mir sehr gut gefallen. Derzeit gibt es eine Aktion, bei der Eddie die Cover der Lieblings-LPs der Besteller malt. Während er malt, hört er die LP (Einzelheiten und ein paar weitere Beispiele gibt es hier).  An so einer Aktion kann ich natürlich nicht vorbei. Mitzumachen setzt dann natürlich erst einmal voraus, dass man sich darüber klar wird, was eigentlich die eigene Lieblings-LP ist.

Nach längerem Überlegen war das bei mir "Miami" von Gun Club; eine Platte, die ich mir mehrmals kaufen musste, weil ich sie buchstäblich kaputt gespielt habe. Hier ist Eddies Interpretation des Covers:



Mit dem Bild bekommt man auch eine Kurzrezension der LP, die ich - mit freundlicher Erlaubnis - hier mitteilen will. Eddie meint, die Gun Club klängen wie eine verzweifelte Version der Replacements bzw. wie ein paar Motherfucker aus Kansas, aber trotzdem so melodisch.
Im Einzelnen:

I can't believe I've only just discovered The Gun Club. They "tickle my bones" - lo fi rock passionate, more than just a hint of Americana. They sound like a distraught Replacements, it's still intense rock and roll but they definitely don't sound a s if the are having as much fun as that band. I love that album make the Gun Club sound like a Kansas bunch of motherfuckers, whilst they also sound so tuneful. "Calling up thunder", for example, is so melodic. It's always good to hear John Hardy, too. I already love the Billy Childish  + Roy Harvey versions, now I can add this to the collection. I loved this album. I played it just enough to whet my appetite before I had to move on to the next painting. Once this project is over, I can't wait to go back & explore the Gun Club more. Thanks for introducing me to your favourite album. I'm fairly sure I've a few more listens to it becoming one of my favourites too. 

(Wenn ich es mir recht überlege, wäre She's like heroin to me eigentlich das ideale Lied, das Art Brut covern könnten.)

Freitag, 2. Juni 2017

Die Rückkehr des politischen Liedes

Die Musik soll ja in schlechten Zeiten besser sein, an ein paar Stellen habe ich hier ja schon musikalische Reaktionen auf Trump aufgeführt. Im UK führt gerade ein Lied die Download-Hitparade an, das unmittelbar die Parlamentswahlen dort adressiert.

Man könnte jetzt viel darüber schreiben, zu welchen Zeiten die subtilen politischen Lieder die besseren waren, und zu welchen die direkten. Das hier ist direkte politische Polemik, funktioniert aber sehr gut (ein Ohrwurm ist es außerdem).


Donnerstag, 25. Mai 2017

Es kommt nicht darauf an, was du tust, es kommt darauf an, wie du es tust

Viel zu wenig Ella Fitzgerald hier; Black Coffee hatten wir einmal, das müsste man eigentlich mindestens einmal wöchentlich hören. Für die Ohrwurm-Woche haben wir dann noch das folgende Lied:

"That's what gets results...."

Sonntag, 21. Mai 2017

Sex Sex Sex

Der Sommer beginnt und der Berliner und die Berlinerin wirft die Kleider von sich. Dank eines Mixtapes, das ich vor knapp dreißig Jahren von Michali bekommen habe, habe ich automatisch Hans-a-Plast im Ohr, wenn es etwas wärmer wird. Das Lied lässt einen ratlos zurück, ich kann aber garantieren, dass es euch auch durch den Kopf gehen wird, wenn ihr es euch einmal angehört habt. "Deutschland errötet",

Hans-a-plast waren ohnehin eine prima Band. (Mir glaubt ja wieder keiner was, aber hört euch doch mal mehr Hans-a-Plast an, das ist unglaublich gut.)


Donnerstag, 18. Mai 2017

Zeig mir, wie man lebt

Grunge habe ich nie gemocht, Metal hat mich nie interessiert, und trotzdem hat dieses Lied vor über 10 Jahren dazu geführt, dass sich mein erloschenes Interesse für kontemporäre Musik wieder entwickelt hat.

R.I.P. Chris Cornell.


Über den Titel und den Schluss des Videos denkt man jetzt besser nicht nach...

Sonntag, 14. Mai 2017

Vor dreißig Jahren



Bad Brains in der Theaterfabrik, so weit ich mich erinnere, das erste Konzert, zu dem ich selbst gefahren bin, 90 Minuten nach München hin. So etwas wie die Bad Brains hatte ich zuvor noch nie gehört, diese metallische Aggressivität gemischt mit Reggae- und Funkanleihen. Bei den schnellen Liedern musste man aufpassen, dass man nicht zerdrückt wurde, bei den entspannteren Nummern war es verträglicher. Ich kann mich hier vor allem an "She's calling you" erinnern.

Mitten in der Nacht bin ich dann von München mit pfeifenden Ohren zurückgefahren, am vernebelten Ammersee vorbei. Am nächsten Tag wieder in die Schule, aber die Welt sah anders aus.

(Damals war mir nicht klar, wie verpeilt die Bad Brains eigentlich waren, mit der nächsten (eigentlichen schönen) LP sind sie ja dann komplett in das Reich des religiösen Irrsinns abgedriftet.)

Samstag, 13. Mai 2017

Tanz Bauchtanz für mich

Noch einmal Roza Eskenazi, über die ich ja vor ein paar Monaten wieder gestolpert bin. Ein schönes Lied im Smyrna-Stil (ich habe keine Ahnung, von wann es ist, die Instrumentierung scheint mir aber eher auf eine Vorkriegsaufnahme hinzudeuten). Es geht um den griechischen Bauchtanz, den Tsifteteli. Ich würde vorschlagen, wir trinken jetzt alle mal einen Liter Demestica oder Imiglykos und tanzen dann mal mit (das war kein Vorschlag, sondern ein Befehl, Kinners).


Die größte Lüge

1983 gab es wahrscheinlich noch keine Casting-Shows und Deppenwettbewerbe im Fernsehen, aber Hüsker Dü haben auf ihrer Doppel-LP "Zen Arcade" alles Nötige dazu gesagt. Die Zeilen aus "The biggest lie" - Du glaubst, du hast es an die Spitze geschafft, weil die Leute deinen Namen kennen - aber es ist immer noch das Gleiche. Zurück in die Heimatstadt, zurück zu deinem alten Beruf, zurück zu deinem Freundin - gehen mir regelmäßig durch den Kopf.

Donnerstag, 4. Mai 2017

Jah War

Ich lese ja eigentlich seit einem Jahr die verschiedenen britischen Blätter und bin einiges gewohnt. Im UK herrscht jetzt gerade Wahlkampf und Theresa May hat eine Rede gehalten, in der sie "Brüssel" beschuldigt, den britischen Wahlkampf zu beeinflussen, um die britische Position in den Brexit-Verhandlungen zu schwächen (man muss gar nicht versuchen, irgendeinen Sinn darin zu finden, am ehesten trifft es vielleicht dieses Stückchen hier). Gestern ging es mir zum ersten Mal so, dass ich die Kommentierungen in der rechten (= Mainstream) britischen Presse dazu nicht lesen konnte, weil mir wirklich körperlich schlecht davon wurde.

Ich habe keine Ahnung, wie es geschehen konnte, dass dieses wundervolle pragmatische Volk dem nahezu vollständigen kollektiven Wahnsinn verfiel. Ich weiß, welche Ängste die EU-Ausländer im UK gerade ausstehen müssen, ich wünsche niemand eine solche Situation, in der man nicht weiß, ob man in zwei Jahren noch erwünscht ist und unter welchen Bedingungen man bleiben kann. Die Verhandlungen haben noch nicht einmal angefangen und wir haben schon die ersten Kriegsdrohungen auf Zeitungstiteln. Das wird alles nicht schön.

Ergänzt: Eine gute Zusammenfassung des Stands der Dinge im UK findet man wie immer bei Robert Rotifer.


Sonntag, 30. April 2017

Peppone, Moloch und Ben Racken im Kvu

Die Magdeburger Beatbox-Punker von Peppone kamen nach Berlin, also machte ich mich auch auf den Weg. Leider kam Torsten von der Bördebehörde nicht mit, wäre eine nette Gelegenheit für ein Treffen gewesen.

Das Konzert fand im Kvu in der Storkower Straße statt; kannte ich vorher noch nicht, aber es gibt ja immer noch die Faustregeln aus den alten Zeiten: Wenn man in der Nähe ist, einfach gucken, wo sich die merkwürdigen Leute treffen. Genauso auch in der Storkower Straße, im Gewerbegebiet eine verranzte Location, vor der schon genügend Leute warten. Auch ich stelle mich dazu, am Einlass gibt es die Auskunft, dass es noch ein bisschen dauert. Vor der Tür ein Merkblatt über das richtige Verhalten bei den Abendveranstaltungen, um Belästigungen zu vermeiden; offenbar bin ich nicht mehr auf dem Stand der Hinweise für Alternativkonzerte. Als es dann losgeht, will man beim Einlass die Kamera meines Handys abkleben. Eine kurze Nachfrage, ob hier denn wirklich das Konzert sei, ergibt, dass ich 15 Minuten für einen Körpererfahrungs- und SM-Workshop angestanden habe. Ich werde zwei Häuser weiter geschickt und gehe an den fassungslosen Türstehern so würdevoll wie möglich weiter. Ich tröste mich damit, dass mir der Irrtum wahrscheinlich auch so irgendwann im Laufe des Abends aufgefallen wäre.

(In der Umgebung hätte es ja auch noch ein paar andere Alternativen gegeben:)

Im Kvu angekommen höre ich mir den Soundcheck von Moloch an. Atmosphäre eines Jugendzentrums der 80er Jahre, Eintritt als Spende, 5-8 Euro, es wird geraucht, es gibt Sofas. Auf dem Sofa treffe ich ein Berliner Urgestein, das verzweifelt versucht, meinen Beruf zu erraten. "Ey, du bist Bulle, wa?" - "Nein, warum denn?" (Zeigt auf meinen Bauch) "Aber vom Finanzamt, wa?" "Nein." "Jetzt weiß ick: Inkasso." (Wahrscheinlich ist es ein Fehler, Cordhosen zum Punkkonzert anzuziehen.) Mit ein paar Bier wird das alles geklärt. Auch das Bier erinnert an Jugendzentren der 80er: Die Halbe für 1,80.

Moloch spielen und gefallen mir überraschend gut. Alles ziemlich heftig, aber jenseits der üblichen Punkklischees. Gute Band.

Danach Peppone. Ich habe hier ja schon genug von der Band geschwärmt. Live auch extrem gut und sympathisch. Leider ein eher kurzes Set, aber alle Hits dabei, "Das Urteil", inzwischen mein Lieblingslied der neuen LP,

"Das Schweigen", "Herr Ober","Die Raupe" und natürlich "Raketenrucksack". Hat Spaß gemacht, konnte man auch schön dazu herumhopsen. Die letzten Lieder spielen die Peppones auch mit richtigem Schlagzeuger, der Gitarrist von Ben Racken setzt sich an die Drums. Interessanterweise fehlt einem  aber auch bei den Liedern mit Beatbox nichts.

Danach Ben Racken, da es aber schon nach 12 ist, mache ich mich auf den Heimweg. Auf dem Weg zur S-Bahn treffe ich G. aus Burundi, der auch bei dem Konzert war. Ich erfahre, dass er die Band von seiner Zeit in Magdeburg kennt und gut findet. Wir haben fast den gleichen Heimweg und verabreden uns für das Pankower Trommelfest im Juli.

Samstag, 22. April 2017

Vögel

Über die merkwürdigen Münchner Punkbands der frühen 80er habe ich ja schon geschrieben. A+P hatten früh eine LP, auf der neben dem üblichen Punkkram auch noch ein paar sehr seltsame Lieder waren. Dazu gehört sicherlich auch das folgende, Vögel. Ich hatte vom Text immer nur noch eine Zeile in Erinnerung, der ist aber insgesamt sehr schräg. Zumindest der Refrain "Grizmek hat nen Knall" ist nur für Kinder der 80er verständlich.

Dienstag, 18. April 2017

Playing tricks

Ein weiterer Beitrag zur Archivpflege. 1989 hatte ich begonnen mit einem Vierspurgerät in meinem Zimmer aufzunehmen; bald zogen wir zu Pobsl in den Keller um, wo wir merkwürdigen Folk fabrizierten. Später spielten wir ein paar dieser Lieder dann auch mit Band, "Playing tricks" war eher nicht dabei, weil sich dieses nervöse Gitarrengehämmer schlecht mit Band umsetzen ließ. Ich mag das Lied aber immer noch, vor allem wegen der schönen Blues harp, die Pobsl spielte.

(Keine Ahnung, warum ich mich im Text damals so aufregte.)

Die Erinnerung dunkelgrau

So hieß das Bäckar-Tape, das wir 1989 herausbrachten. Waren ein paar schöne Lieder dabei, z.B. der Konzert-Evergreen "Ratten" (Punkrock ist, wenn man das Intro auch nach 10 Jahren noch nicht fehlerfrei spielen kann). Für das Video habe ich ein bisschen in den Archiven nach Bildchen gekramt.

Und das Stück "I'm alone", mehr Hüsker Dü wurde es bei uns nicht mehr. Unser damaliges Konzept war es, Lagerfeuerlieder mit verzerrten Gitarren zu spielen.

Sonntag, 16. April 2017

Vor dreiunddreißig Jahren

Auch wenn ich hier drei Tage verspätet bin, habe ich's natürlich nicht vergessen: am 14.4.1984 wurde die Band "Die Bäckar" gegründet. Anderswo habe ich schon einmal über diesen Tag geschrieben.

Zur Feier des Tages ein Stück aus dem 1989er Tape "Die Erinnerung dunkelgrau". "Winter" habe ich immer gern gemocht, der Refrain bleibt einem schon im Gedächtnis. Es gibt auch Gründe, warum ich das Lied lieber erst im Frühling hier einstelle.
Nur von musikhistorischem Interesse für Erforscher des Allgäuer low-budget Punks der späten 80er oder tatsächlich noch etwas, das man sich anhören kann? Diese Beurteilung kann ich euch nicht abnehmen. Ich werde hier auf jeden Fall in der nächsten Zeit noch ein bisschen mehr von den noch vorhandenen Aufnahmen einstellen,

Dienstag, 4. April 2017

Donnerwetter, verdammte Scheiße, ein Whisky

Nachdem hier vor ein paar Tagen suchtmittelverherrlichende Musik aus dem Griechenland der Dreißiger Jahre das Thema war, heute einmal etwas zu suchtmittelverherrlichenden Musik der Bundesrepublik der frühen Siebziger.

Heino hatte damit einen großen Hit. Bevor ich auf das Lied eingehe (und die merkwürdige Überschrift des Beitrags erläutert), muss ich ein paar peinliche Enthüllungen zu Heino machen: Als Kind durfte ich Samstags immer Hitparade sehen und Anfang der Siebziger waren die Interpreten der Sendung immer in großen Bildern in der Kulisse angekündigt. Ich weiß, dass ich mich immer gefreut habe, wenn da auch Heino zu sehen war. Wahrscheinlich ist Heino mit "Die schwarze Barbara" das früheste Fernseherlebnis, an das ich mich erinnern kann (noch in schwarz-weiß). Es macht es wahrscheinlich nicht besser, dass Heino in der amerikanischen Alternative-Szene der Achtziger ein paar Fans hatte, ich erinnere mich an ein Interview mit Jello Biafra zu dem Thema und Beck war, glaube ich, auch Heino-Fan.

"Karamba, Karacho, ein Whisky" ist ein Lied, bei dem ich sofort das Bild eines der damals beliebten vom Heimwerker ausgestatteten Partykeller vor Augen habe. Der Text spricht die Sehnsucht nach Exotik an, exotische Spirituosen waren damals sowieso ein großes Schlagerthema. Nach meiner Erinnerung trank man damals aber eher Sachen, bei denen nicht der Rausch, sondern das Erblinden die größte Gefahr war, ausländischer Schnaps war eher ein absolutes Luxusgut (wenn's Whisky gab, war's dann wohl eher Racke Rauchzart, heimischer Sprit/Whisky-Verschnitt). Der Titel des Lieds zeigt auch ein bisschen das Problem der bundesdeutschen Lust an Exotik: Caramba soll eigentlich eine euphemistische Umschreibung für Carajo sein, Carajo aber bedeutet wörtlich soviel wie Penis. Die Übersetzung von "Karamba, Karacho ein Whisky" im Post-Titel ist also nicht an den Haaren herbeigezogen, es könnte sogar wörtlich "Pullermann, Penis, ein Whisky" heißen. Damit könnte man ja eigentlich ganz gut leben. (Da ich überhaupt keine Ahnung von Spanisch habe, musste ich lange überlegen, wo ich denn die Analyse dieses Heino-Titels zum ersten Mal gelesen habe. Dank Interwebs kam ich drauf: Herr Hennig hat dazu in der Berliner Zeitung mal geschrieben.)

Dann also mal mit Karacho zu neuen Taten! (Das Lied konnte ich mir allerdings nicht mehr bis zum Ende anhören. Als Vierjähriger war ich noch belastbarer.)


Samstag, 1. April 2017

Ouzo, Morphium und Haschisch



"Ouzo, Morphium und Haschisch - ich trinke, um zu vergessen" singt Roza Eskenazi in diesem Lied. Das sollte bei dieser Mischung gelingen. Das Lied ist tatsächlich 1935 bei Odeon regulär veröffentlicht worden. Für die Musik gab es offensichtlich ein Publikum.

Ansonsten ist hier im Blog ja eher von den alten Männern des griechischen Rembetiko die Rede, der große Markos ist für mich ein beständiger Tröster wie es ansonsten nur John, Jeffrey Lee oder Glenn sind. In den dreißiger Jahren gab es in Griechenland aber auch genügend Frauen, die bemerkenswerte Musik gemacht haben (die wunderbare Sotiria Bellou, von der hier schon die Rede war, und Stella Haskil, deren Mondlose Nacht ein Klassiker ist, waren eher in der Nachkriegszeit aktiv). Anfang der Zwanziger Jahre endete der törichte Versuch der Griechen, Konstantinopel zurückzuerobern mit einer verheerenden griechischen Niederlage, in deren Folge eine Million griechisch-orthodoxer Menschen aus der Türkei flüchten mussten. Die Flüchtlinge siedelten sich vor allem in den Großstädten an. Die orientalisch geprägte Musik der Flüchtlinge (nach dem griechischen Namen der Stadt Izmir, aus der viele kamen, oft Smyrna-Stil genannt) mischte sich bald mit der Musik der Rembetes-Subkultur. Anders als bei den Rembetes spielten hier oft professionelle und geübte Musiker, allerdings fand sich hier der gleiche Realismus und Pessimismus, der auch die frühere Rembetika-Musik so atemberaubend machen. Die dreißiger Jahre waren die Zeit der Sängerinnen, allen voran Rita Abatzi (von der man hier schon das schöne Lied "Schlag alles zusammen für mich" hören kann. Der Text endet, schon fast existenzialistisch mit den Zeilen "ich kann schon im nächsten Moment tot sein"). Während bei den Rembetes der vertrackte 9/8-Takt des Zembekiko, der den einsamen Tanz eines Mannes begleitete, vorherrschte, gab es beim Smyrna-Stil häufiger einen Verweis auf den Tsifteteli, eine Art griechischen Bauchtanz. Wie das Eingangslied beweist, gab es auch ansonsten wenig Tabus in der Musik, das schien aber dem großstädtischen Bürgertum in Griechenland in den Dreißigern gut zu gefallen, die Cafés, in denen Roza Eskenazi oder Rita Abatzi sangen, waren gut besucht.

Roza Eskenazi ist in vielerlei Hinsicht eine faszinierende Frau, auf Youtube findet man Videos, wie sie noch mit 80 Jahren zu ihrer Musik tanzt. Wie ihr Name schon andeutet, war sie Jüdin; die Rembetika-Musik Smyrna-Style hat auch einiges mit der Klezmer-Musik gemeinsam. Es gibt einen interessanten Dokumentarfilm über sie, "Mein süßer Kanarienvogel" (in dem die Musik auch von zwei Musikerinnen aus Griechenland und der Türkei sowie einem Musiker aus Israel nachgespielt wird, was den eigentlich übernationalen Charakter dieser Musik schön unterstreicht). An Dramatik stand ihr Leben kaum dem der berühmten Bluessängerinnen nach.

Donnerstag, 30. März 2017

Mutter Erde

Heute vor 21 Jahren ist Jeffrey Lee Pierce im Alter von 36 Jahren gestorben. Seine Band Gun Club hat mir viele musikalische Welten erschlossen, die ich ansonsten nicht entdeckt hätte. In der Zeit, in der ich in unserem Jugendzentrum aufgelegt habe, gab es keinen Tag, an dem nicht auch "Mother of Earth" gelaufen wäre. In einer Punk-Kneipe country-angehauchte Musik laufen zu lassen, war eigentlich mutig. Von ein paar Gästen weiß ich, dass sie nach ein paar Durchgängen dann auch die Platte gekauft haben.

Mother of Earth ist ein gutes Lied für Todestage, zeitlos schön.

(Gerade sehe ich, dass ich das vor zwei Jahren schon einmal, noch ein bisschen ausführlicher geschrieben habe. Macht nichts. Und genauso wie ich das Lied im JZ dauernd laufen habe lassen, kommt es halt hier immer wieder. Bis alle die Miami-LP gekauft haben.)


Mittwoch, 29. März 2017

Bevor Ihr uns verlasst...

Wenn die Briten wenigstens so charmant Schluss gemacht hätten wie Nikki Sudden in diesem schönen Lied.

Das wird alles nicht schön in den nächsten zwei Jahren.

(Nikkis elfter Todestag liegt gerade drei Tage zurück; Grund genug an ihn zu denken.)

Montag, 27. März 2017

"Herr Wanzl, wie haben Sie das gemacht?" (2)

(Fortsetzung des Interviews mit Franz-Xaver Wanzl.)

HN: Wie kamen Sie denn zu dem "Bestie vom Schindeldorfer Forst"-Projekt? Wurde über solche Horror-Sujets nicht eher die Nase gerümpft bei alternativen Filmemachern?

FX: Das stimmt nicht ganz. Sie dürfen nicht vergessen, dass auch Geißendörfer 1970 mit "Jonathan" einen Vampirfilm gedreht hat - und sogar einen recht heftigen. Unsere Motivation war aber noch etwas anders: Wir hatten bei dem Schraubenziehermann-Projekt gesehen, dass man mit solchen Genres tatsächlich Geldgeber erschließen kann. Deswegen hatten wir sogar eine recht plakative Horrorstory geplant - natürlich mit einem sehr systemkritischen Subtext. Aber für die Geldgeber haben wir erst mal von Blut und Busen erzählt.

HN: Blut und Busen?

FX: Na, Sie wissen schon. Das hat auch geklappt, wir haben einen guten Vorschuss bekommen, die Geldgeber freuten sich auf die Beteiligung des Fernsehballets und wir hatten den festen Vorsatz, nicht noch einmal die gleichen Fehler zu machen wie beim Schraubenziehermann. Also begannen Bonetti und ich gleich mit der Planung. Ein Bekannter von Bonetti hatte ein Waldstück in der Nähe von Schindeldorf, dort brachten wir unsere Schauspieler hin. Bonetti hatte eine lose Skizze gemacht, über einen Wahnsinnigen, der junge Leute im Wald mit einer Motorsäge angreift - das hatte sich so ergeben, weil der Bekannte ohnehin Holz machen musste, da war die Requisite schon einfacher.

HN: Das hört sich aber genauso an wie Texas Chainsaw Massacre?

FX: Natürlich hört es sich genauso an, aber verstehen Sie nicht? Wir waren drei Jahre früher. Ich ärgere mich heute noch, dass Tobe Hopper die Idee einfach abgreifen konnte, aber uns waren ja dann die Hände gebunden.

HN: Was ist denn passiert?

FX: Bonetti hatte die Idee, die Schauspieler die Geschichte improvisieren zu lassen, das würde dann auch zu echteren Reaktionen führen. Es kann auch damit zu tun gehabt haben, dass sein Drehbuchentwurf noch äußerst rudimentär war. Und ehrlich gesagt, waren die meisten Beteiligten noch nicht einmal Schauspieler, sondern irgendwelche jungen Leute aus umliegenden Wirtshäusern.  Als Katalysator hatten wir vorgesehen, dass wir den Beteiligten LSD in den Kräutertee schütten - die Grateful Dead haben das ja auch immer gemacht. Am ersten Tag ging das auch hervorragend, leider war das Filmmaterial unbrauchbar, weil auch der Kameramann zuviel hatte. Am zweiten Tag geriet die Geschichte etwas aus dem Ruder und im Nachhinein muss ich sagen, es wäre besser gewesen, wenn man keine funktionstüchtige Motorsäge mitgenommen hätte. Die Staatsanwaltschaft ließ sich dann noch überzeugen, dass es sich um Unfälle bei der Waldarbeit gehandelt habe, das Filmmaterial haben sie allerdings beschlagnahmt. Bei der Staatsanwaltschaft Bad Kreuznach liegen noch Filmrollen in der Asservatenkammer, da könnte man so ein Ding wie diesen einen Waldhexen-Film...

HN: Blair Witch Project?

FX: ...ja genau, da könnte man so ein Ding ohne Weiteres zusammen schneiden. Wir waren unserer Zeit voraus. Aber abgesehen davon, dass ich seit dieser Zeit nur noch neun Finger habe, die Schadensregulierung hat mich einiges an Geld gekostet. Wir haben dann auch noch mit dem Förster Ärger bekommen. Es war klar, dass dieses Projekt beendet war.

HN: Und was war mit den Geldgebern?

FX: Für die haben wir mal wieder eine Vorspannsequenz gebastelt, lahmes Zeug, die guten Aufnahmen waren ja beim Staatsanwalt. Allerdings genügte die Vorlage des Vorspanns, um den Vorschuss nicht zurückzahlen zu müssen. Die Filmrolle habe ich immer noch:

HN: Von wem war die Musik?

FX: Das waren Leute vom Orchester Bad Kreuznach, die dann einen sehr guten Job gemacht haben. Am Anfang dachten wir aber, dass das nie etwas wird. Wir haben denen erklärt, was wir etwa wollen und die kamen nur mit so etwas wie "In den Hallen des Bergkönigs" an. Bonetti hatte dann die Idee, es auch dort mit etwas LSD zu versuchen, und für das Titelstück war das genau das Richtige.

HN: Gibt es noch mehr von der Filmmusik?

FX: Nein, das Stück war zwar gut, aber danach waren die alle nicht mehr in der Lage, irgendetwas zu spielen. Bonetti hat wohl die Dosierung nicht ganz im Griff gehabt. Zwei haben danach vollständig aufgehört mit dem Orchester. Das war für mich auch noch eine teure Geschichte.

HN: War das das Ende der Zusammenarbeit mit Bonetti?

FX: Unser Verhältnis war schon etwas belastet, vor allem, weil er der Auffassung war, dass wir eigentlich einen wunderbaren Film hätten und es nicht seine Schuld sei, wenn die Polizei auf dem Material sitze. "Mensch FX," hat er immer gesagt, "wenn du nicht so eine Wurst wärst, dann würdest du dir den Film eben aus der Asservatenkammer klauen. Wir haben doch noch die Kettensäge!" Das stimmte natürlich nicht, die Säge war ja auch in der Asservatenkammer. Ich war dann eine Zeitlang nicht mehr in Bad Kreuznach, sondern habe bei "Mosaik" ein paar innovative neue Dinge entwickelt. Aber nach ein paar Monaten rief er an und erzählte mir von "Eike". Und ich dachte: Das muss der Durchbruch sein.

(Wird ggf. fortgesetzt.)

Samstag, 25. März 2017

"Komm, schlag alles zusammen für mich..."


Mach ich gerne, Rita, passt heute ohnehin zu meiner Stimmung.

(Ein bisschen mehr zu der Musik und der Sängerin, Rita Abatzi, demnächst. Try not to get too excited)

Sonntag, 19. März 2017

"Herr Wanzl, wie haben Sie das gemacht?"

(Vorbemerkung: Der Name Franz-Xaver Wanzl ist inzwischen nur noch wenigen Insidern bekannt. In den späten Sechzigern und den Siebzigern des letzten Jahrhunderts war Wanzl, der von seinen Freunden liebevoll "FX" genannt wurde, aber eine der großen Hoffnungen des deutschen Independent-Kinos. Kaum jemand hatte so gute Verbindungen in die literarische und musikalische deutsche Gegenkultur wie er, seine Projekte zeigten hier eine avantgardistische Qualität, die man ansonsten in Deutschland nur selten fand. Insbesondere die langjährige Zusammenarbeit mit dem Hunsrücker Literatur-Enfant-terrible Andy Bonetti war Ausgangspunkt für zahlreiche Legenden. Es zählt zur Tragik des Lebens von Wanzl, dass er der Nachwelt im Wesentlichen durch seine Beiträge für das ZDF-Seniorenmagazin "Mosaik" und kleinere Filme für die Reihe "Der 7. Sinn" in Erinnerung bleiben wird, da sich seine künstlerisch ambitionierteren Projekte leider meist vor der Vollendung zerschlugen. Die amerikanische Journalistin Harriet Naybor hat Wanzl kurz vor seinem Tod aufgespürt und ein langes Interview mit ihm geführt, das wir hier in Auszügen exklusiv in Deutschland veröffentlichen können. Wanzl ließ Naybor auch erstmals in sein Archiv sehen, in dem sich bisher unbekannte Beispiele seiner Avantgarde-Projekte finden. Wanzl starb - wie viele andere große Künstler - im Jahr 2016. Seine Lebensgefährtin fand ihn leblos in einer Wanne voll Aspik. Ein letztes künstlerisches Statement? Wir werden es nie erfahren.) 

Harriet Naybor: Herr Wanzl, Sie lebten ja Ende der Sechziger, nachdem Sie die Filmhochschule abgeschlossen hatten, in Rheinland-Pfalz. Wie kam das?

FX Wanzl: Ja, ich hatte die Gelegenheit in Mainz beim ZDF zu arbeiten, ich machte so Einspielfilme für das Magazin "Mosaik". Ich war z.B. für die Gymnastikübung der Woche zuständig, wir haben da einige formal sehr gewagte Filme gemacht, z.B. bei der Wassergymnastik, aber das war natürlich nicht das, was ich eigentlich im Sinn hatte. Man muss aber zugeben, dass ich durch diese Arbeit finanziell besser gestellt war, als die meisten meiner Film-Kollegen. Und durch die Arbeit in Mainz habe ich natürlich auch Andy Bonetti, der ja damals in Bad Kreuznach lebte und wirklich der Kopf der Hunsrücker Gegenkultur war, kennengelernt.

HN: Erzählen Sie doch, wie Sie Bonetti das erste Mal getroffen haben.

FX: Das muss Ende der Sechziger gewesen sein, Freunde hatten mich nach Bad Kreuznach mitgenommen und gemeint, ich müsste Bonetti kennenlernen. Ich hatte damals auch schon die ersten Arbeiten für den WDR für die Reihe "Der 7. Sinn" gemacht und es war bekannt, dass Bonetti auf diese Autocrashs stand. Anders als ich gedacht hatte, trafen wir uns aber nicht in einer Bar oder in einem Café, sondern Bonetti hatte einen Tisch in einem gutbürgerlichen Wirtshaus. Und wenn ich sage, er hatte einen Tisch, dann meine ich das genau so. Da durfte sich niemand einfach dazu setzen. Meine Freunde wollten mich vorstellen, aber Bonetti weigerte sich mit irgendjemand zu sprechen, bevor er seine Schlachtplatte fertig gegessen hatte. Wir warteten, aber ich musste am nächsten Tag früh am Set für Mosaik sein - Erika Engelbrecht war da sehr eigen - so dass ich ihm eigentlich nur beim Essen zusehen konnte. Ein paar Wochen später hat es allerdings doch geklappt und das war der Beginn des "Schraubenziehermann"-Projektes.

HN: Erzählen Sie doch bitte etwas davon. Es kursieren so viele widersprüchliche Berichte darüber, dass ich schon manchmal gezweifelt habe, ob es dieses Projekt tatsächlich gegeben hat, oder ob das nur eine von Bonettis Legenden ist, die er ja in seiner Autobiographie zuhauf erzählt.

FX: Nein, nein, den Schraubenziehermann gab es wirklich und wir waren eigentlich lange überzeugt, dass das für alle Beteiligten der Durchbruch sein würde. Wenn ich jetzt sehe, was für ein Mist in den Kinos erfolgreich ist, kommt mir der Schraubenziehermann richtig visionär vor. Zunächst war es natürlich eine Superheldengeschichte, allerdings mit einem sehr deutschen bürgerlichen Subtext - Heimwerker, Sie verstehen? Gleichzeitig war es natürlich auch ein Kommentar auf die verlogene verdrängte Sexualität der Bundesrepublik - Kreuzschlitzboy, ich muss nicht mehr sagen, oder? Bonetti war ein Genie in dieser Hinsicht. Den potenziellen Geldgebern haben wir es natürlich etwas anders verkauft, so eine Weiterführung der Batman-Fernsehserie, mit mehr psychedelischen Elementen und insgesamt etwas gewagter. Es gab da in Frankfurt genügend Leute, die Geld in solche Projekte investieren wollten. Ich hatte durch meine Arbeit beim ZDF natürlich schon etwas Standing und vor Bonetti fürchteten sich alle, waren aber dann doch fasziniert. Wir deuteten vage an, dass wir für die Titelsequenz des Films Heinz Edelmann -

HN:... der für die Beatles den Yellow Submarine-Film gestaltet hat...

FX: ... genau, dass wir für die Titelsequenz eben Edelmann an der Hand hätten und dass der Film eine Mischung aus James Bond und Superhelden, nur eben im deutschen Heimwerkermilieu, sein würde, mit einem gehörigen Schuss Erotik. Ich glaube, wir haben da auch so suggeriert, wir könnten da ein paar Mädels vom Fernsehballet dazu bekommen. Das war natürlich Unsinn, hat aber gewirkt. Den Vorschuss zu bekommen, war kein Problem. Keiner von uns hatte vorher soviel Geld in der Hand gehabt.

HN: Warum ging es nicht weiter? War der Film dann doch zu gewagt für die Geldgeber?

FX: Die Probleme lagen auf einer ganz anderen Ebene. Bonetti war ein Genie. Wir saßen jeden Abend in dem Wirtshaus und er skizzierte das Drehbuch und wir konnten gar nicht fassen, wie verflucht gut das war. Aber am nächsten Tag konnten wir uns nicht mehr so richtig erinnern.

HN: Man hätte die guten Ideen gleich aufschreiben sollen...

FX: Das haben wir auch getan, aber als wir die Notizen am nächsten Morgen durchlasen, stellten wir fest, dass Bonetti nur zweimal die Speisekarte abgeschrieben hatte. Und inzwischen wurde die Zeit knapp und das versprochene Exposé lag immer noch nicht vor. Sie müssen wissen, wir haben damals alle ein bisschen viel getrunken und auch gekifft und gekokst und LSD probiert. Aber Bonetti, da bin ich inzwischen überzeugt, der hatte wohl auch Drogen genommen. Bonetti setzte sich dann hin, um das Drehbuch zu schreiben, aber er kam dann mit einer Geschichte, bei der Schraubenziehermann irgendwo am Tresen sitzt, weil er sich vor der entscheidenden Gemeinderatssitzung drücken will. Das war natürlich nicht das, was unsere Frankfurter Freunde hören wollten. Und inzwischen wurde auch das Geld knapp, da wir mit dem Vorschuss eigentlich über Monate halb Bad Kreuznach freigehalten haben. Für den ersten Termin mussten wir also dringend irgendetwas vorweisen und wir haben dann zumindest ein Exposé und eine Titelsequenz gebastelt. Edelmann war natürlich nicht drin, das Ganze hat dann, glaube ich, die Großmutter des Tonassistenten mit Papierfiguren gelegt. Aber irgendetwas mussten wir, wie gesagt, vorweisen. Es war grauenhaft, aber immer noch besser als mit leeren Händen aufzutreten.

HN: In ihren Filmen spielte die Musik immer eine große Rolle, können Sie dazu etwas sagen?

FX: Ja, wir haben da eine Bad Kreuznacher Band engagiert, die wirklich gut waren. Oder wir haben die engagiert, weil unser Cutter bei dem Schlagzeuger immer seinen Speed kaufte, ich weiß es nicht mehr genau. Die nannten sich die Monkles oder so, das war natürlich komplett unbrauchbar, für die Filmsequenz benannten wir die in Screw U & the Drivers um. Wir wollten so eine Art Lied wie für die Batman-Serie haben, nur noch heavier, das haben die auch gut hingekriegt. Leider war natürlich die Präsentation ein Fiasko, die Geldgeber sprangen ab und wir konnten das Projekt nicht mehr weiter verfolgen. Ich habe allerdings noch die Titelsequenz:

HN: Wissen Sie, was danach mit der Band passiert ist?

FX: Das ist eher tragisch. Eigentlich wollten die dann das Titelstück noch anderweitig nutzen, es gab da wohl auch Interesse von Plattenfirmen, die die so als frühe deutsche Hardrock-Band aufbauen wollten, so deutsche Versionen von Black Sabbath-Liedern. "Der Hund von Baskerville" hätte eigentlich von denen übernommen werden sollen. Das war auch schon weitgehend geklärt, da brachen sich der Bassist und der Schlagzeuger beim gemeinsamen Onanieren jeweils die Hand, das war das Ende der Band. Ja, Sie lachen jetzt, aber damals gab's halt noch nicht für alles Tutorials und so weiter. Den "Hund von Baskerville" haben dann Cindy und Bert gesungen, der Rest ist Geschichte.

HN: Das war aber noch nicht das Ende Ihrer Zusammenarbeit mit Bonetti?

FX: Nein, das war erst der Anfang. Wir beide fanden das mit den Vorschüssen gar nicht so schlecht, aber nahmen uns vor, beim nächsten Mal nicht wieder solche Anfängerfehler zu machen. Anfang der Siebziger kam dann das "Die Bestie vom Schindeldorfer Forst"-Projekt - mein Gott, Bonetti bestand zunächst darauf, das Ganze "Der wilde Watz von Wichtelbach" zu nennen, das ging natürlich gar nicht.

(Wird fortgesetzt.)

Donnerstag, 9. März 2017

Asi mit Niwoh

(Weiter geht's mit der Woche der Mundartmusik.)

Meine Kenntnisse in Mundartmusik jenseits von Süddeutschland, Österreich und der Schweiz sind leider lausig. Für diese Reihe ist das natürlich ungünstig. Kölner Bands kenne ich natürlich einige, die meisten finde ich aber furchtbar. Da trifft es sich gut, dass es auch Ausnahmen gibt. Von Zeltinger kenne ich eigentlich nur dieses eine Lied, wahrscheinlich habe ich es auch das erste und einzige Mal 1981 in der unsäglichen Musiksendung "Bananas" gehört, aus der auch der Clip ist. Aber obwohl ich das Lied nur einmal gehört habe, ist mir der Refrain immer schön im Gedächtnis geblieben. Kann es schönere Zeilen geben als "Ich bin ein Asi mit Niwoh, ich lese Lyrik auf dem Klo, ich polier Kritikern die Fresse, ich mach für die Band das Abendessen"? (Rhetorische Frage. Bitte nicht beantworten.)

Und dank Youtube konnte ich mir das Stückchen vor ein paar Jahren auch wieder herauskramen. Und euch jetzt zeigen.

(Frank Zander und Herbert Fux denkt euch einfach weg.)

Montag, 6. März 2017

Es ist gar nicht so viel los, dass man immer etwas erzählen könnte

(Ein Beitrag zur Woche der Mundart-Musik.)

In den späten Siebzigern gab es in Oberschwaben die Band Schwoissfuass (der Name wurde dadurch erklärt, dass sie stinkende Spuren hinterlassen wollten). Die Band war enorm einflussreich, zum einen weil sie (vor und jenseits der neuen deutschen Welle) Rockmusik mit deutschen Texten, auf unabhängigem Label machte. Musikalisch waren sie eine wilde Mischung aus Rock, Jazz, Reggae. Anders als die Punkbands der damaligen Zeit, waren sie musikalisch versiert und abwechslungsreich. Ich habe das damals mit 10, 12 Jahren gehört und damit, ohne es zu wissen, den Grund für einige der Jazzvorlieben späterer Jahre gelegt.

Der größte Hit, den wirklich jeder aus der Gegend kennt, war "Oinr isch emmr dr Arsch". Eines meiner Lieblingslieder, das ich immer wieder hören kann, ist "Griß Gott, Herr Lehrer". "Und  ich sage dir eines: das ist der Blues. Und keine Sau hört zu."

Schade, dass Schwäbisch so einen schlechten Ruf hat. 


Samstag, 4. März 2017

Staffabruck

(Ein Beitrag zur Woche der Mundart-Musik.)

Ein bayrisches musikalisches Phänomen ist ja Ringsgwandl. Abgesehen von ein paar Liedern, die ich gut fand, nicht unbedingt mein Fall. Anfang der 90er brachte er ein Album mit Liedern zur akustischen Gitarre über seine Kindheit in Bayern heraus, ein paar Leute, die ich kannte, fanden das sehr gut, mir war das damals zu doof. Wahrscheinlich war eher ich zu doof, zwanzig Jahre später hörte ich die Platte wieder und war begeistert. Eine vergangene Zeit wird in den Liedern wieder heraufbeschworen, ohne falsche Nostalgie.

Auf Youtube findet sich dazu leider nicht allzu viel, nur Buale, eines der eher deprimierenden Lieder. "Früher ist er gegen alles gewesen. Über das Geschäft seines Vaters hat er nur geschimpft. Aber die Schule war schwer und er war halt faul. Heute macht er das Gleiche und hält halt sein Maul." Trotzdem schön.

Mittwoch, 1. März 2017

Zum Glück

Nach längerem Nachdenken bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass der bedauernswerte Zustand unserer Welt sicher auch damit zusammen hängt, dass zu wenige Leute Baby Jail hören. Baby Jail war eine Schweizer Band, die sich stilistisch nicht so richtig einordnen ließ und die in ihrem Wirken vollkommen singulär war. So etwas gab es davor und danach nicht mehr. Ohne es zu wollen, surren Zeilen aus Baby Jail-Liedern ständig in meinem Kopf rum.

Den richtigen Durchbruch hat die Band leider nie, obwohl nicht so richtig zu verstehen ist, warum Schweizer Mundart-Musik mit Akkordeon- und Maultrommelbegleitung nicht größeren Anklang findet (so, jetzt sind wir wieder unter uns). Das schöne Lied "Zum Glück" verbindet thematisch die große Liebe mit familiären Problemen. Der Sänger und Sängerin freuen sich, dass ihre Partner zu ihnen halten, obwohl sie die Familien auf verschiedenste Weise schmähen. Im Mittelpunkt steht ein ominöser Witz mit den Elefanten, der die Tanten wohl beleidigt hat (daneben wurden keine Urlaubskarten geschrieben oder brüderliche Plattensammlungen verspottet). Der Refrain zeigt den Triumph der Liebe über Familienbande mit der schönen Zeile: "Zum Glück bist du nicht auch so blöd wie deine Verwandten."

(Ich glaube, ich mache hier mal wieder eine Reihe der Mundart-Musik. Seid Ihr auch so aufgeregt?)

Montag, 27. Februar 2017

Ein Meer geronnener Milch

Bei den ganzen Beatles-Outtakes, die man inzwischen im Internet findet, handelt es sich ja zum größten Teil um andere Versionen bekannter Songs oder merkwürdige Coverversionen. Die alternativen Versionen können einen manchmal bedauern lassen, dass sich die spätere Version durchgesetzt hat, manchmal muss man auch nur bewundern, wie die Band aus relativ primitivem Material kleine Edelsteine geschliffen hat.

Man findet auch eine Handvoll neuer unveröffentlichter Songs, bei manchen davon weiß man sofort, warum sie nicht veröffentlicht wurden, bei anderen wird man etwas wehmütig, dass sie nicht auch den Weg auf die Abbey Road oder Let it be gefunden haben.

Für mich sind zwei George-Harrison-Lieder hier besonders bemerkenswert. Fantastische Stücke, zu unrecht lange Jahre verschollen.



Mittwoch, 22. Februar 2017

Die Ballsaison 1987/1994

1987 konnte ich endlich selbst zu Konzerten fahren, das hieß bei uns meistens die eineinhalb Stunden nach München zu Alabamahalle, Theaterfabrik oder später Kulturstation, später dann auch häufig Augsburg. Von 1987 bis 1994 war ich ziemlich viel unterwegs, da gab es auch noch genug spannende Dinge zu sehen. Auf Youtube finden sich einige Konzertmitschnitte aus der Zeit, von den Bands, die ich damals gesehen habe. Im Folgenden eine kleine Zusammenstellung. Wer sich für die Musik interessiert, ist wahrscheinlich mit den Studioaufnahmen besser bedient, weil die Liveaufnahmen meistens relativ schlecht sind. Aus den kleinen Filmchen lässt sich allerdings die Atmosphäre damals erahnen, kleine Läden, wildes Publikum, viel Interaktion zwischen Bands und Publikum. Die Bands inzwischen zumeist nur Spezialisten bekannt.

Viele Erinnerungen werden wach: An Mr Chi Pig, der gerne als Cheerleader verkleidet oder mit Gorillamaske auf die Bühne kam, Skeeter Thomson von Scream, der in einem der Videos elegant vom Stuhl fällt (und ansonsten auf der Bühne gerne "Wahnsinn" sagte), alleine die Stahl-Brüder von Scream, damals noch mit vollen Locken, Scott Reynolds von All, der sich seine Hosen mit Klebeband festgeklebt hat, H.R. von den Bad Brains, mit seinen Saltos auf der Bühne.....


Sonntag, 19. Februar 2017

Alte Flummies hüpfen hoch

Mein Bruder Michali mag die Subhumans sehr gerne. Nachdem ich letzthin zu ihm nach Bayern gekommen bin, um mir die UK Subs anzusehen, kam er nun nach Berlin, damit er die Subhumans auch mal live sehen kann. In den frühen Achtzigern waren die Subhumans neben Crass sicher die bekannteste Anarchopunk-Band. Anders als die zugegebenerweise faszinierenden Dogmatiker von Crass hatten die Subhumans allerdings auch einen ausgeprägten Sinn für Humor. Musikalisch stachen sie ohnehin aus der eher deprimierenden England-Punk-Szene der Achtziger heraus.

Eher zufällig ergab es sich, dass wir uns für das Konzert auch mit Blognachbarin Frau Kirschblüte verabredeten. Da wir uns noch nicht begegnet waren, schickte ich ihr vor dem Losgehen ein Küchentischselfie von M. und mir. Als Antwort kam nur, dass sie nach den Ackerbau-Yetis Ausschau halten werde. Das Treffen war dann auch kein Problem. Ich bekam sogar ein selbstgemachtes Gastgeschenk, ein Unikat:

(Ein gewisses sich leitmotivisch wiederholendes Thema zumindest auf der Yeti-Seite war allerdings, dass wir aufgrund beginnender Altersweitsicht größere Probleme hatten, die Aufschrift genau zu entziffern. Rentner-Punk rules.)

Das Konzert im Cassiopeia begann mit dem dänischen Trio Them Bailers. Ich würde mal sagen, dass sie Screamo-Sludge-Metalcore spielten. Der Schlagzeuger machte so Metal-Doublebass-Geboller, obwohl er gar keine Doublebass hatte. Der Gitarrist kreischte dazu, der Bassist gurgelte. Das war irgendwie nicht so meines, auch wenn einige Lieder ganz interessante Teile hatten. Danach die dänischen Wayl. Auch ein Trio, auch wieder ein Bassist mit einem Matratzenbart. Frau Kirschblüte meinte, das seien die dänischen Green Day, und das traf es ganz gut. Schön melodischer Hardcore, gut gesungen, kompetent gespielt (ich bin immer wieder erstaunt, wie gut die neuen Band alle technisch sind. Vor 25 Jahren wäre man komplett aus dem Häuschen gewesen ob der Kunst und des Songwritings). Der Bassist wollte ein bisschen Konversation machen und fragen, wer schon mal in Dänemark war etc. Das Berliner Publikum reagierte berlinerisch: "Halt die Fresse und spiel!" Die Dänen ließen sich aber zurecht nicht stören. Sie hatten auch eine der schönsten Konzertansagen, die ich bislang gehört habe: "The next song is about waiting. It is called.... 'Waiting' " Keine weiteren Fragen.

Schließlich die Subhumans. Dick Lucas, der Sänger, muss auch schon deutlich über 50 sein, hat aber immer noch die Statur eines spillerigen hyperaktiven Teenagers. Der Bassist dagegen war eher gemütlich, es war aber ein Vergnügen, seinen Fingern zuzusehen. Lucas hüpfte von Anfang an über die Bühne wie ein Flummie, der Sound war gut. Ich kannte die meisten Lieder von früheren Zeiten, fand sie aber live tatsächlich noch ein Stück besser; die Platten in den Achtzigern waren soundtechnisch nicht unbedingt optimal. Beim Konzert fiel mir auch auf, dass die Lieder wesentlich komplexer waren, als ich sie in Erinnerung hatte. Vor der Bühne hüpften einige Unentwegte herum, in der Yeti-Zone weiter hinten blieb es eher bei gelegentlichem Mitwippen. Die Band war auf jeden Fall fantastisch, nach etwa eineinhalb Stunden hatte sie das Publikum an die Wand gespielt.

Meine Fotografierversuche waren nicht erfolgreich, mich tröstet nur, dass auch Frau Kirschblüte nicht viel bessere Fotos geschafft hat (hier kann man allerdings Fotos vom Profi sehen)

Nach dem Konzert noch ein bisschen beim Merchandising rumgelungert, neben T-Shirts gab es eine Auswahl an Band-Babystrampler und selbstgestrickten Kinderpullis. Nett.

Ein schöner Abend, mal sehen, ob die Rentner-Punk-Konzertreihe dieses Jahr noch weiter geht.

Donnerstag, 16. Februar 2017

Ü50-Party im Feierwerk

Ausnahmsweise mal wieder in München auf einem Konzert, damit ich mir mit Michali die UK Subs ansehen kann. Der Sänger, Charlie Harper, ist eine Woche älter als mein Vater und seit vierzig Jahren mit der Band unterwegs. Die UK Subs-LP "Brand New Age" von 1979 war eine der ersten Punk-LPs, die ich gehört habe, immer und immer wieder. Die Band ist eigentlich fast jedes Jahr unterwegs, ich habe sie allerdings bislang nur einmal gesehen, das muss um 1990 herum gewesen sein. Damals fand ich sie nicht mehr so beeindruckend.

Am Abend vom Ampertal nach München, vor dem Feierwerk stehen schon ein paar rauchende Konzertbesucher, wie bei Punkkonzerten inzwischen üblich, alle weit jenseits der Vierzig. An der Tür winkt uns eine resolute ältere Dame heran. "Ihr wollt auch aufs Konzert? Von acht bis achtzig is heit alles vertreten." Im Konzertsaal treffen sich die Veteranen. Die Zeit ist an uns vorbei gegangen und mit den meisten hier hat sie es nicht gut gemeint.

Das gilt auch für TV Smith, der allein als Vorband spielt. Er sieht aus wie ein Rentner, der zum Joggen gehen will, und schrammelt sich auf seiner Gitarre durch. Seine Stimme ist erstaunlich gut. Die Lieder hangeln sich durch Punk-Klischees, deutlich vor allem bei einem, in dem er sich beklagt, dass man inzwischen nicht mehr wählen oder keinen Einfluss nehmen könnte. Gerade im letzten Jahr hat sich ja gezeigt, dass man in Wahlen durchaus Einfluss nehmen kann. Am Schluss spielt TV Smith (oder Fernseh-Schmitt, wie er sich in einer schönen deutschen Ansage selbst nennt) noch ein paar alte Adverts-Songs. "Gary Gilmore's Eyes" ist beeindruckend und ich stelle fest, dass ich sogar noch einen zweiten Adverts-Song kenne: "Bored Teenager".

Danach kommen die Subs auf die Bühne. Charlie Harper, der eigentlich Frisör gelernt hat, auch wenn man das heute nicht mehr vermuten würde, ist eher klein und rund und macht einen rundum freundlichen und ausgeglichenen Eindruck. Alvin Gibbs, der Bassist, sieht dagegen so aus wie Alan Rickman in seiner Rolle als Professor Snape. Die Band beginnt mit "Emotional Blackmail" von der "Brand New Age", ich fühle mich um ein paar Jahrzehnte zurückversetzt. Die Band spielt gut und flott, ganz und gar nicht wie eine Rentnerband (Schlagzeuger und Gitarrist sind auch etwas jünger), zunächst einmal durch die alten Stücke. Einige dabei, die ich schon lange nicht mehr gehört habe.

Im Publikum gibt es vor der Bühne etwas lebhafteren Pogo, allerdings ohne, dass man sich um die Gesundheit der Beteiligten Sorgen machen müsste. Ein besonders eifriger Tänzer, ein kleiner, dürrer Typ mit einer Schlumpfmütze, kommt bei einem Lied mit auf die Bühne und singt mit. Als er das Mikro nehmen will, schiebt ihn eine resolute Mittfünfzigerin der Security von der Bühne. Als die Band das nächste Lied beginnt, kommt er wieder, klaut Harper das Mirko und singt eine Strophe zur Musik. Die Band lässt ihn zunächst grinsend gewähren, hört dann aber auf, und er wird wieder von der Bühne gebeten. Harper nimmt sich das Mikro und erläutert, sie hätten den jetzt auch mal singen lassen, damit man im Publikum sieht, dass das gar nicht so einfach sei. Beeindruckend findet er aber, dass der Gastsänger ein ganz anderes Lied gesungen hat als das, das die Band gerade gespielt hatte. R., der mit uns beim Konzert ist und für den es das erste Punkkonzert seit Jahrzehnten ist, ist beeindruckt: Früher wäre so jemand kaum heil von der Bühne gekommen. R. hat noch die Gewohnheit von früher, die ich nach den letzten Jahren Rentner-Konzerten abgelegt habe: immer im Blick zu haben, wo der Ausgang ist, ob irgendjemand anfängt zu prügeln, ob irgendwelche merkwürdige Typen kommen. Auch an diesem Abend ist diese Vorsicht nicht notwendig.

Es kommen dann auch ein paar Lieder von der neuen LP "Ziezo", die überraschend gut gelungen ist. Aber weitgehend spielt sich die Band durch die ersten 10 Jahre der Bandgeschichte.  Die Band spielt auch "Warhead", eines der bekanntesten Lieder. Ich hatte das erst vor kurzem wieder in einer Coverversion der Men they couldn't hang gehört und war zunächst überzeugt, dass die den Text aktualisiert hatten, weil es um die Soldiers of Islam stuck between the Russians and Yankees ging. Aber nein, der Text ist von 1979, so viel hat sich in der Weltgeschichte dann anscheinend doch nicht geändert.

Die UK Subs spielen zwei Zugaben, dann ist es auch vorbei. Michali unterhielt sich dann noch kurz mit Charlie Harper und so wissen wir, dass er zwar, wie unser Vater, zwei Söhne, aber dafür sechs Enkel hat. Enkelmäßig ist Harper also in Führung.

Durch den Nebel, der einen kaum 50 m weit sehen lässt, zurück ins Ampertal.

Montag, 13. Februar 2017

Schweinewasser auf die Kopf und naus aus die Fenster

Ende der Sechziger Jahre Anfang der Siebziger haben Monty Python eine zwei deutsche Folgen des Flying Circus aufgenommen, auf deutscher Seite unterstützt von Alfred Biolek. Die Sketche dieser Folgen sind einigermaßen merkwürdig, man hat den Eindruck, dass Cleese und Co. davon ausgingen, es sei schon lustig genug, wenn sie deutsch reden. Ich habe keine Ahnung, wie das deutsche Publikum das damals aufgenommen hat, die Folge gehört auf jeden Fall zu den eher obskuren Python-Werken.

Ich habe sie vor Jahrzehnten einmal gesehen, in Erinnerung geblieben ist mir nur der Sketch "Im Bayrischen Restaurant", der einen vorhersehbaren und sadistischen Plot hat, die übliche Eleganz der Truppe wird durch die mühsamen deutschen Texte durchaus beeinträchtigt. Unabhängig davon bleibt eine aggressiv düstere Atmosphäre, die genügt hat, mir die im Titel genannte Zeile einzuprägen (wie sich zeigt, ist das Zitat dann doch ein bisschen anders). Letzthin hat mir Youtube diesen Sketch vorgeschlagen, Grund genug, sich noch einmal diese merkwürdige Gastlichkeit, mit John Cleese im Trachtenjanker, Nietzsche-Anspielungen und Schuhplattler anzusehen.

Danach ein eisgekühltes Schweinewasser, bitte. Und rein in den Brei.

Freitag, 10. Februar 2017

Politik ist Entertainment

Die Trump-Präsidentschaft treibt die alte Recken wieder aus ihren Verstecken. Die von mir heiß verehrten Scream aus Washington DC, die ich mir in den Achtzigern noch viel öfter live ansehen hätte sollen, kommen mit einem neuen (oder zumindest bislang unveröffentlichten) Stück zurück. Ob das jetzt als Protestsong funktioniert, weiß ich nicht, aber ich wurde tatsächlich ganz nervös, als ich feststellte, dass es da ein Lied von Scream gibt, das ich noch nicht kenne. Und die Burschen sind immer noch gut.


Mittwoch, 8. Februar 2017

Vor 45 Jahren

Am 8.2.1972 starb der große Markos Vamvakaris im Alter von 66 Jahren. Er hat hunderte von Liedern der griechischen Rembetiko-Musik geschrieben.

Es gibt nur wenige Filmaufnahmen von seinen Auftritten, merkwürdigerweise sind die meisten aus dem deutschen Fernsehen. Hier eine kurze Aufnahme von seinem letzten öffentlichen Auftritt (wahrscheinlich Ende der sechziger Jahre), man merkt ihm seine Krankheit deutlich an, die Finger wollen auch nicht mehr so richtig greifen.


Hier Filmaufnahmen von seiner Beisetzung (ich nehme an, das ist alles auf Syros, seiner Heimatinsel).




Zum Todestag wollen wir dann noch ein paar der Lieder aus seinen besseren Zeiten hören.



Alles dabei, die "Augenlider, die glänzen, wie die Blumen auf dem Felde" (das wird immer eines meiner Lieblingslieder bleiben), die Geschichte von den "Leuten mit viel Geld", wie "alle Rembetes auf der ganzen Welt" ihn achten und grüßen, die Liebeslieder an die "süße kleine Verrückte" und das Mädchen mit den "schwarzen Augen und schwarzen Augenbrauen", das "Geflüster im Gefängnis", die Geschichten des "Heroinschnupfers" und der "Streunerin", der serbische Tanz und schließlich "Leg mir die Karten, Zigeunerin".

Sonntag, 5. Februar 2017

Sand im Getriebe

Im November hatte ich zur amerikanischen Wahl geschrieben, dass sie vielleicht zu guter Musik führt, die gegen den neuen Amtsinhaber geschrieben wird, dass ich mir diese aber eher nicht anhören werde (ich habe ein gewisses Misstrauen gegen symbolischen Protest/Protestsymbole).

Nun bin ich aber auf ein Lied gestoßen, das mir gut gefällt, vor allem, weil es versucht, der Apokalyptik einen konstruktiven Geist entgegen zu setzen. Frank Turner, der sich ja die letzten Jahre etwas in springsteenhafter Sozialromantik verloren hat, wird mal wieder klarer politisch und das steht ihm gut.

Mich hat das Lied aufgemuntert; vielleicht geht es euch auch so. Lasst uns der Sand im Getriebe sein.



(Bei der Auswahl des Labels für den Post stelle ich fest, dass in diesem Blog France Gall, Frank Farian, Frank Turner, Freddie Quinn und Fredl Fesl einträchtig nebeneinander stehen. Das ist Punkrock, Alter!)

Samstag, 4. Februar 2017

Politik für Vierjährige

Seit einigen Monaten quäle ich mich, angetrieben von meiner Beschäftigung mit dem britischen Elend, an einem Post, in dem die politische Meinungsbildung im UK mit der Haltung von Kleinkindern verglichen wird. Nicht intellektuell, die Leute sind ja nicht plötzlich blöd geworden, sondern eher emotional. Jeder von uns hat noch einen Vierjährigen in sich, der der Auffassung ist, eine Sache müsste einfach deshalb passieren, weil er es so wünscht. Politik, die suggeriert, das könne so sein ("have your cake and eat it"), entfaltet deswegen eine große Anziehungskraft, wenn keine Erwachsenen mehr im Raum sind, die den Spaß verderben. Die bislang geschriebenen Dinge kann ich allerdings jetzt löschen bzw. ich muss mir keine Mühe mehr geben, das zu erläutern, weil jeder in den letzten Wochen in den USA eine klare Illustration des Prinzips sehen kann. Der Masse an publizierter Fernpsychologie möchte ich nichts mehr hinzufügen.

Aber trotzdem ein kurzer Blick ins UK. Das Land wird im März den Scheidungsantrag einreichen, dann läuft die Zeit. Innerhalb von zwei Jahren mukm,km,km,km,km, (die Katze will mal wieder mitschreiben...), innerhalb von zwei Jahren müssen dann die Einzelheiten geklärt werden. Das Parlament hat mit großer Mehrheit dafür gestimmt, obwohl niemand, der auch nur entfernt mit der Materie vertraut ist, der Meinung ist, dass das in irgendeiner Weise sinnvoll machbar sei. Aber man muss ja den Willen des Volkes respektieren. Auch hier regieren die Vierjährigen, die Erwachsenen haben den Raum verlassen oder rutschen auf Bobby-Cars herum. Relativ häufig liest man die Genugtuung, dass die ganze Sache ja auch der EU schaden würde. Das wird so sein, in zwei Jahren werden wir alle Verlierer sein, nicht zuletzt, weil man den Sachverstand auf der EU-Seite besser auch nicht überschätzen sollte (wer es gerne umfassend apokalyptisch mag, dem sei dieser amerikanische Beitrag empfohlen. Ich fürchte, das ist zwar nicht die wahrscheinlichste, aber auch nicht die unwahrscheinlichste Variante. Und: sowohl Brexit als auch Trump sind nicht britische oder amerikanische Probleme, sondern sehr reale Probleme für uns. Wir werden es bald genug noch deutlicher merken).

Nach sechs Monaten hat die britische Regierung (netterweise am Tag nach der Parlamentsentscheidung) ein White Paper zum Brexit und dem weiteren Verfahren vorgelegt, das in der Presse als wegweisender Plan gefeiert wird. Ich halte mich da eher an die Experten; einer der wenigen Leave- und Brexit-Befürworter, der tatsächlich Ahnung von den weiteren Schwierigkeiten einer Trennung hat, kommt zu folgender Einschätzung: Wenn die Regierung vorschlüge, den Mond einzufangen, in die Irische See zu werfen und dann von ihm grünen Mondkäse abzubauen, wäre das ähnlich überzeugend.  Auch die europafreundliche Expertensicht ist wenig ermutigend: Das White Paper ist das politische Äquivalent eines Haarknäuels, das von einer Katze hochgewürgt wurde.  Im Ernst, die Trennung wirft - vor allem für das UK - eine Reihe von Sachfragen auf, die mit viel Zeit und gutem Willen beider Seiten gelöst werden könnten. Beides scheint aber eher nicht vorhanden zu sein. Grundlegendes Problem ist, dass viele der Kompetenzen, die jetzt wieder national behandelt werden müssen, vollständig von der EU übernommen wurden. In vielen Bereichen fehlt es dem UK derzeit vollkommen an Ressourcen und know-how. Auch das White Paper beantwortet nicht, wer zukünftig britische Flugzeuge zertifiziert, auf welcher Grundlage zukünftig Medikamente im UK zugelassen werden, wie die zukünftige Zusammenarbeit in der Fischerei aussehen soll, wie die Einhaltung der europäischen Standards bei Lebensmittelexporten in die EU gewährleistet bleibt, wie die Grenze zwischen Nordirland und Irland ausgestaltet werden soll, wie überhaupt die nunmehr notwendigen Grenz- und Zollkontrollen an den UK-Grenzen aussehen und durchgeführt werden sollen. Auch die ganzen Handelsaussenbeziehungen mit anderen Staaten basieren auf EU-Abkommen, die das UK nicht automatisch übernehmen kann. Aber was soll's, für all diese Fragen (die zum großen Teil im White Paper noch nicht einmal angesprochen sind) bleiben ja dann noch ca. 18 - 20 Monate bis zum Verhandlungsergebnis. 

Als Berliner kann man sich vielleicht noch damit beruhigen, dass dann wenigstens nicht mehr der Berliner Flughafen als katastrophalstes öffentliches Projekt herangezogen wird.

Dienstag, 17. Januar 2017

No man no right

Dass ich Sonic Boom Six gerne höre, habe ich ja schon häufiger hier geschrieben. Die Band wechselt zwischen den verschiedenen Genres und nimmt sich überall das, was ihrer Musik dient. Damit ist sie inzwischen weit weg von dem ursprünglichen Crossover-Punk entfernt und bewegt sich in Genres, von denen ich nicht einmal den Namen weiß. Ska meets Dubstep und was weiß ich. Das ist für mich zunächst anstrengend, aber sehr interessant.

Das folgende Stück zeigt schön, wie es wäre, wenn bei den Punk-Konzerten die Rollen von Männer und Frauen vertauscht wären. Ein schön einprägsames Ska-Lied, das eigentlich das Zeug zum Hit hat. (Die ganze LP "The F-Bomb" ist höchst empfehlenswert.)


Samstag, 14. Januar 2017

Hüsker Dü - Running Commentary

Kleiner Nachschlag zum letzten Post: Nachdem ich hier einen dritten Hüsker Dü-Fan bei den Lesern begrüßen kann, und ich jetzt verstanden habe, wie man Youtube-Playlists erstellt, eine kleine Zusammenstellung von Hüsker Dü-Liedern. Kaum eine Band hat eine so große Auswahl an Liedern als Soundtrack für verkorkste Lebenslagen, kaum eine Band hat mehr dafür getan, den Weg für den ganzen Indiekram der 90er zu bereiten. Ein Muss für alle Fans von Barfuss-Schlagzeugern.
Lieder sagen mehr als Worte

Dienstag, 10. Januar 2017

Mittwoch, 4. Januar 2017

Bosch in der Gemäldegalerie

Die Gemäldegalerie Berlin hat derzeit in Zusammenarbeit mit dem Kupferstichkabinett eine Ausstellung zu Hieronymus Bosch. Zwar hat die Ausstellung nicht viele Originale aufzubieten, aber sie ist trotzdem zu empfehlen. Insbesondere ist sie eine recht gute Ergänzung zu der Großausstellung in s-Hertogenbosch letztes Jahr.

Das Kupferstichkabinett hat wohl sehr viele der Zeichnungen Hieronymus Boschs, davon werden aber immer nur ein oder zwei gezeigt. Daneben wurden zahlreiche Kupferstiche nach Brueghel und von Zeitgenossen Boschs ausgestellt. Die Gemäldegalerie hat das Bild "Johannes auf Patmos" als Original, allerdings wurden zusätzlich eine Anzahl von Kopien ausgestellt: Das Weltgerichtstryptichon in der Kopie von Cranach, eine Kopie des Tryptichons "Die Versuchung des heiligen Antonius", eine Kopie der Mitteltafel des "Garten der Lüste" sowie eine Kopie der "Anbetung der Könige". Aus meiner Sicht lohnen sich dafür auf jeden Fall die Fahrt zum Potsdamer Platz und die EUR 10 Eintritt.

Wenn man nicht weiß, dass dort die Ausstellung ist, wird man sie nicht ohne weiteres finden; es gibt keine große Werbung dafür, auch in der Eingangshalle der Gemäldegalerie ist nur ein kleiner Hinweis. Überhaupt hat man das Gefühl, dass die Ressourcen für Museen derzeit eher auf der Museumsinsel eingesetzt werden: wirklich schade, denn die Gemäldegalerie hat schon einen beachtlichen Bestand von Werken von Bosch, Botticelli, Canaletto, Rubens, Rembrandt, Michelangelo....

Die Kopie der Mitteltafel des "Gartens der Lüste" dürfte etwa die Originalabmessungen (1,95x2,20) gehabt haben, normalerweise ist man ja von Bosch eher kleinere Tafeln gewohnt. Man kann vor dem Bild einige Zeit verbringen, auch und gerade, wenn man es ein bisschen besser kennt. Schön, dass ganze einmal in groß zu sehen und nicht nur als verkleinerte Reproduktion. Immer wieder eine Freude, sich die verschiedenen Vögel in dem Bild anzusehen.

Die "Versuchung des heiligen Antonius" war Mitte des 19. Jahrhunderts als Original aufgekauft worden, man stellte aber bald fest, dass es nur eine Kopie war. Hier sind einige deutliche Abweichungen zum Original zu erkennen, trotzdem war es sehr schön, ein paar der Lieblingsgestalten auch einmal unmittelbar zu sehen. Dies umso mehr, als das Bild in der niederländischen Ausstellung gar nicht vorhanden war.


(Im See kämpft, von vielen Soldaten beobachtet, ein Ritter gegen ein Seeungeheuer.)


(Der Kiezschreiber mit seinem Redaktionsbiber.)

Ebenso das "Weltgericht", das in Berlin in einer Kopie von Cranach ausgestellt wird. Ein einigermaßen verstörendes Werk, mit interessanten Einzelheiten. Auch hier gilt: Vor dem Bild zu stehen ist aufschlussreicher, als sich verkleinerte Reproduktionen anzusehen.




Auch nur in Kopie die "Anbetung der Könige". Aber ich habe mich gefreut, den merkwürdigen halbnackten vierten König auch einmal unmittelbar zu sehen, auch dieses Bild war ja in den Niederlanden nicht dabei.

Enttäuschend war das Original  "Johannes auf Patmos". Das war auch in den Niederlanden ausgestellt worden, dort allerdings so, dass man auf der Rückseite die filigranen Malereien auf dem schwarzen Rand deutlich erkennen konnten. In Berlin reflektierte das Licht auf der lackierten Fläche, so dass man nur wenig sah, selbst wenn man wusste, was hier zu finden sei. Die Spiegelungen machten es auch bei anderen Bildern unmöglich, bestimmte Einzelheiten zu erkennen (sehr zu meinem Missvergnügen vor allem auch beim "Garten der Lüste").

Im Anschluss dann noch einmal der Gang durch die Gemäldegalerie, thematisch passend waren noch die "Niederländischen Sprichwörtern" von Brueghel, dem ich diese nette Vignette verdanke: